Diabetes & Psyche: Angststörung, Depressionen und das Danach

Leider noch immer ein viel zu großes Tabuthema: Diabetes kommt tatsächlich häufiger zusammen mit psychischen Erkrankungen vor, als wir das vielleicht denken.
In dieser Blogparade, die auf den Weltdiabetestag folgt, wollen wir an fünf Tagen das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln heraus aufgreifen, euch von unseren eigenen unterschiedlichen psychischen Erkrankungen berichten, gute und schlechte Geschichten erzählen und ganz ehrlich mit euch sein. Denn wir möchten das Tabu brechen, das Thema weiter zugänglicher machen und Stereotypen endlich aus der Welt schaffen!
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Heute möchte ich über ein Thema sprechen, welches in der Gesellschaft leider immer noch häufig tabuisiert wird. Ich finde es sehr wichtig, über die Psyche, psychische Erkrankungen und die mentale Gesundheit zu reden.
Es ist tragisch, dass wir in einer Welt leben, in der manche Menschen mit ihrem Kummer keinen anderen Ausweg wissen, als ihr Leben zu beenden — auch weil psychische Probleme in der Gesellschaft als "schwach" deklariert werden und viele Menschen sich nicht trauen, über ihre Probleme zu reden. Dabei wäre und ist ein offener Umgang mit psychischen Erkrankungen so wichtig!

Chronische Erkrankung als Stressfaktor

Eine chronische Erkrankung zu haben ist ein Faktor, der Stress auslöst und die mentale Gesundheit stark beeinflusst. Wie frustrierend es sein kann, wenn Mensch hart für sein Diabetes Management arbeitet, aber die Werte trotzdem nicht stimmen. Wenn Mensch mal wieder stundenlang wegen Unterzucker wach lag und deshalb morgens völlig übermüdet ist und nicht den gewohnten Tätigkeiten nachgehen kann.
Aus Frustration kann sich oft Ärger und Wut über die Erkrankung entwickeln, die angestaut zur Depression ausarten kann. Sich jeden Tag für den Rest seines Lebens mit seinem Körper zu befassen, der nicht immer so einwandfrei funktioniert, wie Mensch es möchte. Es ist anstrengend und eine zusätzliche Last. Eine Last, die Nicht-Betroffenen oft gar nicht so klar zu sein scheint. Denn natürlich möchte ich mich auch nicht dauernd darüber beklagen, eine chronische Erkrankung zu haben oder dass es eben nicht immer einfach ist.


Auf die Frage „Du kommst damit aber gut klar, oder?“ antworte ich oft mit Ja, denn im Prinzip tue ich das ja auch. Nichtsdestotrotz ist eine chronische Erkrankung natürlich scheiße. Es gibt gute und schlechte Tage.
Letztens habe ich einen Gedanken dazu gelesen, der es gut zusammenfasst:

Stell dir vor, du musst jede deiner Entscheidungen am Tag anhand einer Nummer treffen.
Eine Nummer, die, egal wie hart du daran arbeitest oder wie strukturiert dein Alltag ist, jeden Tag anders ist. Wie frustrierend das sein kann.

Stell dir vor, du musst dir jeden Tag mehrmals in den Finger stechen und dich jedes Mal spritzen, wenn du etwas isst oder die Nummer zu hoch ist. Die Faktoren sind je nach Tageszeit unterschiedlich.

Stell dir vor, alles was du tust hat Auswirkungen auf diese Nummer und die Nummer hat Auswirkung auf dein Wohlbefinden.

Stell dir vor, du kannst nicht das tun, was du liebst oder gern machen würdest, weil die Nummer zu niedrig ist.
Stell dir vor, du möchtest etwas essen aber kannst nicht, weil die Nummer zu hoch ist. Oder du musst etwas essen, obwohl du gar nicht möchtest, aber die Nummer zu niedrig ist.

Stell dir vor, du würdest gern zum Sport aber musst jedes Mal im Voraus planen, wie es sich auf die Nummer auswirkt. 

Stell dir vor, du wachst nachts zitternd, verwirrt und schweißgebadet auf, weil die Nummer zu niedrig ist und dein Körper Alarm schlägt, um nicht zu sterben.

Für mich und andere Menschen mit Typ 1 Diabetes ist das keine Vorstellung, sondern Alltag.
Zahlen, die permanent im Hinterkopf herumschwirren. Zahlen, von denen wir keine Pause bekommen können. Zahlen, die wütend machen oder traurig. Manchmal auch glücklich.
Es ist eine zusätzliche Belastung, die wir mal so eben "wuppen", weil wir es müssen.
Es bleibt keine Wahl.
Ich wünschte, ich würde von der Aussage "Krass, das könnte ich nicht" verschont werden. Wenn ich das nicht könnte, wäre ich seit 7 Jahren tot. Dass ich durch eine anfänglich falsche Diagnose auch hätte sterben können ist noch mal eine andere Geschichte...

Diese Zeile haben bei Facebook großen Anklang gefunden. Wer mich und meinen Blog schon kennt, weiß, dass die Zeit vor und nach meiner Diagnose nicht sehr glücklich verlaufen ist. Durch die anfänglich falsche Behandlung meines Diabetes habe ich eine Angststörung entwickelt.

Über meine Angststörung 

Mein Körper war so geschwächt, dass er in ständiger Alarmbereitschaft war. Alles, was mich aufgeregt oder an die Zeit erinnert hat, hat Panikattacken in mir ausgelöst. Bei jeder Panikattacke hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, alles wurde verschwommen oder mir wurde schwarz vor Augen, die Farben und Geräusche um mich herum wurden so intensiv, dass ich es nicht aushalten konnte. Manchmal hatte ich mehr als 10 Panikattacken pro Tag. Schon eine Panikattacke stresst den Körper sehr.
Ich habe mich irgendwann nicht mehr aus dem Haus getraut, konnte weder zur Schule noch in die Stadt gehen; selbst mit dem Bus oder Auto fahren war eine Tortur. Ich habe mich gezwungen, im Feldweg hinter unserem Haus spazieren zu gehen und meinen Körper zu konfrontieren. Schlussendlich habe ich mich für einen stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik entschieden, weil ich nicht mehr weiter wusste. Dort verbrachte ich zwei Monate und lernte, mit den Panikattacken besser umzugehen.
Es hat mehr als drei Jahre gebraucht, bis ich weitestgehend frei von Panikattacken war. Doch bis ich mir wieder ein Leben frei von den Nachwirkungen der Angststörung aufgebaut habe, hat es nun insgesamt 7 Jahre gedauert.

Wie ging es nach der Therapie weiter?

Ich möchte heute ein wenig von diesen Nachwirkungen sprechen.
Dadurch, dass mein Körper durch die unzulängliche Insulinzufuhr nicht genügend Nährstoffe aufnehmen konnte, war ich sehr schwach und am Anfang strengte mich selbst das aufrechte Stehen in der Dusche zu sehr an. Ich hatte keine Ausdauer, mehr als ein paar Meter zu gehen. Alle Wege zu Fuß waren sehr, sehr anstrengend.
Dazu war ich durchgehend angespannt. Meine Therapeutin sprach davon, dass meine Grundanspannung viel höher lag als bei anderen Menschen. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie sich das anfühlt. Ich konnte mich nicht fallen lassen und entspannen. Beim kleinsten Zeichen der Entspannung und des „Locker Lassens“ kam eine Panikwelle angerollt. Das lag auch unterbewusst daran, dass ich so sehr Angst hatte, wieder die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren. Selbst wenn ich im Bett lag und ein Buch las waren meine Muskeln angespannt.

Heute ist das nicht mehr der Fall. Es macht mir immer noch Schwierigkeiten, zum Beispiel beim Yoga in der Schlussentspannung ruhig auf dem Rücken liegen zu bleiben. Dann macht sich eine so größere innere Unruhe in mir breit, die ich nicht immer aushalten kann.

Was auch nach sieben Jahren nicht besser geworden ist und woran ich mich erschreckenderweise gewöhnt habe: jede Nacht kurz vorm Einschlafen schrecke ich hoch. In dem Moment, wo ich schon fast eingeschlafen bin, bekomme ich plötzlich keine Luft mehr. Hochschrecken meine ich auch so. Ich sitze plötzlich senkrecht im Bett und schnappe nach Luft. Jede Nacht. Seit sieben Jahren.
Leider habe ich dafür noch keine Lösung gefunden. Wenn ich ins Bett gehe, dann weiß ich, dass ich noch 1-2 Stunden drauf rechnen kann, bis ich einschlafe, da ich davor mit diesen Nachwirkungen zu kämpfen habe. Aber ich kann damit leben, auch wenn mir natürlich der zusätzliche Schlaf fehlt.

Auch musste ich meine Ausdauer aufbauen. Ich erinnere mich an ein Silvester, an dem ich mit Freunden am Strand gefeiert habe. Das war schon eine erste große Mutprobe für mich, da mir offene, weite Plätze und laute Geräusche damals noch sehr zusetzten. Am Ende haben wir kein Taxi bekommen und mussten zu Fuß zu einer Freundin laufen.
Das Problem: Ich habe damals noch keine weiteren Strecken geschafft. Also haben sich meine Freunde abwechseln müssen, um mich nach Hause zu tragen. Heute können wir darüber lachen, aber es war nur eine von vielen Situationen, in denen ich mir eingestehen musste, dass mein Körper nicht so kann wie andere Menschen in meinem Alter.
Es war ein langer und frustrierender Weg, aber meine Ausdauer kommt langsam zurück und ich bin sehr froh darüber. Ich kann jetzt auch wieder Fahrrad fahren. Das hat sieben Jahre nicht geklappt. Auch, weil sich diese Bewegung sehr krass auf meine Blutzuckerwerte auswirkt und ich nach dem Fahrradfahren immer niedrige Werte habe.

Eine andere Nebenwirkung war die Panik vor Unterzuckerungen, über die ich auch schon auf dem Blog berichtet habe. Es gibt noch viel, was ich dazu schreiben könnte.

Healing isn't linear 

Auch, wenn es von außen so aussieht, als wäre alles einfach. Das ist es nicht. Heilung passiert nicht auf geraden Linien. Manchmal geht es mir sehr gut, manchmal holt mich die Vergangenheit oder schlechte Werte ein. Aber wichtig ist, dass ich darüber offen reden kann und in der Community und bei Freunden und Familie auf offene Ohren stoße.
Ich finde, dass es nicht schwach ist, über seine Verletzlichkeit zu sprechen, sondern mutig.
Wie schön ist es, wenn Menschen mir erzählen, dass meine authentischen und ehrlichen Erzählungen ihnen helfen, selbst mutig zu werden und sie selbst zu sein? Das ist der Grund, weshalb ich all das mit euch teile. Danke.

In den nächsten Tagen findet ihr Beiträge über Diabetes & Psyche bei Tine, Lisa, Sassi und Katharina. Katharinas Beitrag könnt ihr hier nachlesen.

1 Jahr pillenfrei!


Ich habe bereits über meine Erfahrungen zum weiblichen Zyklus und Pille absetzen bei Typ 1 Diabetes berichtet.
Mittlerweile ist es ein Jahr her, dass ich pillenfrei lebe und ich mache es kurz: es war eine verdammt gute Entscheidung!

Ich weiß nicht, ob es nur ein Placebo-Effekt ist, aber ich fühle mich viel besser, freier. Die Hormone in der Pille können ja auch ganz schön viel mit dem allgemeinen Wohlbefinden anstellen - depressive Verstimmungen, fehlende Libido, Angstzustände.
Wenn ich mich und mein Leben vor einem Jahr und heute vergleiche gibt es große Unterschiede, die auch damit zu tun haben, dass ich mir mehr zutraue und nicht mehr so leicht gestresst bin von bestimmten Situationen. Ich frage mich, ob meine innere Angespanntheit zum Teil auch den Hormonen zuzuschreiben war. Darüber kann man nur mutmaßen.


Krass ist es auf jeden Fall, was so eine kleine Pille mit dem Körper anrichten kann. Das sehe ich daran, wie sich mein Körper verhält. Leider sind nicht alle Nebenwirkungen des Absetzens so positiv. Seit Mai plage ich mich mit Akne im Gesicht und am Körper, wobei es (toi toi toi) seit etwa 2 Wochen sehr viel besser geworden ist. Wäre ja schön, wenn es sich zum Jubiläum verflüchtigen würde! Außerdem sind meine Haare eine kleine Katastrophe. Sie fetten und schuppen extrem schnell oben am Kopf, unten sind sie jedoch sehr trocken. Mit den richtigen Pflegeprodukten passt es schon, jedoch habe ich mich früher nicht so intensiv um Haut und Haar kümmern müssen.
Zeit heilt alle Wunden heißt es und das ist es, was wichtig ist: Es braucht Zeit, bis der Körper sich von den Extra-Hormonen befreien und sich umstellen kann! Natürlich ist es nervig und oft auch sehr belastend, aber: haltet durch! Es lohnt sich.

Zu meiner Periode an sich kann ich sagen, dass sie recht regelmäßig ist, ich immer noch mit der App "Clue" tracke und ich immer noch kaum Periodenschmerzen habe.

Ich freue mich auf einen Austausch über eure Erfahrungen!
Denkt daran: Jeder Körper ist anders und so auch die Auswirkungen der Hormone auf Zyklus und Körper.

ENG: American Doctors ruined my life - my (Mis)Diagnosis Story

Not long after my 17th Birthday my life has changed forever. I was an exchange student in the States back then and so excited that my dream of an exchange year finally came true. I loved being with my host family, experiencing a new culture and education system and meeting new friends. I was tired a lot, but I thought it’s because of all the new exciting things that were happening around me. It was a lot to take in! I felt so so exhausted most of the time and didn’t really understand how the other students were able to join social clubs or sports after school. I was too tired for that.
I wasn’t feeling my best while the orientation camp in New York prior to the exchange as well but I didn’t really think about it .
When I look back now I realize that there was a lot of signs I didn’t know how to construe but I do know now how to put those pieces together.

It all started with me feeling dizzy and the feeling to be trapped inside a huge bubble. I felt like I wasn’t part of my body anymore, as I would look down on it doing things. I couldn’t quite handle those odd feelings and so I often panicked. I didn’t know at that time that I was having panic attacks. I couldn’t breathe, my vision got blurred or would go completely dark, I was shaky and dizzy. I thought I’d go insane. I thought I’d die.



I was so anxious that it was just me making those things up in my mind, that I’d actually go crazy — so I didn’t seek help right away. After all I didn’t even know how to explain those feelings I’ve experienced.
Then I got sick with the flu and went to the doctors. I explained all my symptoms and they said it’s just the flu and I would feel better soon. I wanted to believe them. I took my medicine, but it only got worse. Sometimes I would find myself sitting on my bed not knowing what I did the past three hours. I just couldn’t remember anymore. I felt so lost and alone and scared. Even though my host family was there for me I was far away from home and my friends. I was so scared to never make it home again, that I was seriously ill and would die in the States. I was even too scared to go to bed at night because I thought I might not wake up the next morning. I was devastated.

Was my mind playing tricks on me?
As my illness continued the doctors got worried and I got a lot of blood tests done. I don’t know what they were looking for because checking for my blood glucose levels would have saved me from going through more physical and mental pain.
They came to the unfortunate conclusion that I wasn’t really sick but that it’s my mind playing tricks on me, that I’m home sick or it’s the cultural difference I couldn’t cope with. Back then I didn’t know what else to do than to believe them. I was a scared seventeen-year-old girl and they were the experts. Experts that ruined my life as I knew it.

Of course, it only got worse after that. I got weaker and thinner every day. Everyone noticed, and my host mom really tried to help me but didn’t know what to do. She ordered me nutrition shakes from the store and in some way those really helped me.
I was sick in bed that day — too weak to go to school and actually too dizzy to even leave the bed and go to the bathroom. I drank one of those carb-loaded shakes. After a while the room started spinning and I couldn’t focus my eyes to one point anymore. I couldn’t breathe. My host mom rushed me to the emergency room in the local hospital and they finally tested my blood glucose level which was around 500mg/dL at that time. I had to breathe into a paper bag and they ran some tests on me.

It's not Type 1 Diabetes?!
The journey to my diagnosis didn’t stop here though. I was told it’s unlikely that a young girl my age gets diagnosed with Diabetes Type 1 and that I just need a basal insulin for now because my blood glucose levels weren’t high enough for rapid insulin yet. Everyone who is familiar with T1D knows that this was absolutely insane. But how should I have known that? So they gave me my first Lantus pens and showed me how to use them. That was it. No hospitalization nor a workshop on what diabetes is and how to handle it. Oh, Wait! Also, they told me I should stop eating carbs and sugars. I also had to measure my blood glucose levels every two hours and keep track on that.
What can I say: Lantus Insulin and no carbs at all are not the best combination. I was low all the time and after two weeks I felt so weak and blurry in my brain that we went to see the doctors again. Well, they then told me that I couldn’t have Diabetes Type 1 with those low blood glucose levels.

At that time I couldn’t really participate in daily life anymore. I would nearly pass out a few times a day and spent more time in the sick room than in the class rooms at school. I had a lot of panic attacks even though I didn’t know how to call them at that time. I still remember sitting on the floor in my room bawling my eyes out because I felt so alone and helpless. I couldn’t bear it anymore. I cried for hours. It was a hard decision to give up on my dream of an exchange year but I knew it couldn’t go on that way. So I decided to go home. 
It wasn’t that easy to convince my parents at first because I didn’t tell them how serious it was before. I didn’t want them to worry. But I knew that I had a chronic condition that can be life threatening if I don’t get the needed treatment. They talked to some german diabetes doctors and they were really alarmed by my condition. My mom told me they called one night and told them to get me home immediately.



At that point, I was too weak to even stand up in the shower alone.
I didn’t know how to get home alone. My exchange organization got me a wheelchair service that would bring me from plane to plane because I was too weak to walk on my own. I went home on Christmas morning and got hospitalized for two weeks after Christmas. I got my treatment and a workshop on how to handle diabetes. The nurses and doctors at home did a really good job on teaching me everything I needed to know about Diabetes.

My Mental Health Situation
Unfortunately, this was only the beginning. My mental health suffered from those three months of an untreated chronic condition. I developed an anxiety disorder. I had up to 10 panic attacks a day and at first I didn’t know what triggered them. Most of the time it was due to crowded places, open places or places that reminded my body of the hospital situation and low blood sugar levels.

It got so bad that I was too afraid to leave the house. I forced myself on walks with my mom and my aunt in the woods next to our house, but I panicked every time and nearly passed out most of the times too. I couldn’t go to school or to the city or meet up with my friends. I even panicked driving in the car or the bus.
I was so annoyed with myself for letting my mind control me and so exhausted from trying to fight against it every day. I got depressed because I was too weak to live a normal life and I wasn’t able to do and enjoy what all my friends were doing.
Eventually I made the decision to get hospitalized for two months into a psychosomatic clinic to work on my anxiety disorder.

Three years of my life: gone
It took me three years to fight those daily panic attacks and my fear of low blood sugar levels. When I graduated in 2014 I was definitely feeling better but it was still far from the life I live now.
The diagnosis and my mental health issues touched my life in so many ways that I could go on writing about this for days. For example: I had no endurance left to walk for long. I had to rebuild my strength for years. Up until last year, I was afraid to stress my body too much so I would rather miss out on things I really wanted to do than put a strain on my body. I was living my life and I did a lot of great things; constantly improving. But I still had a lot of limits I was too afraid to step on.

Seven years later: Finally feeling alive
This changed last year. I don’t know what it was that made me challenge my limits again. Maybe it was the constant improvement, or it was the fact that I was able to really monitor my blood glucose levels with my new CGM sensor.
Whatever it was, it makes me feel more alive again. I still have my struggles and challenges I didn’t take but today I’m brave enough to at least try to conquer my limits.
SEVEN years are such a long time and when I look back there are so many goals that I’ve reached already. Things I never thought I’d be able to do again. I’m so proud of my accomplishments.

Struggles in 2018
Still — Healing isn’t linear. By the beginning of 2018, I was on a great high just by feeling so alive again. But in March my grandpa passed away from cancer and it hit me really hard. My Grandpa and I had a special connection. He was my greatest supporter, my best friend and the person I loved most. I knew whatever struggle I’ve faced or whatever mistake I’ve made, he would still think that I’m the best human being there is and for me it was the same way around. So from now on a piece of me is missing and it’s been hard to feel something but emptiness the minute I’m alone lately. I questioned my whole life and what I want for my future. I currently don’t know but I stopped stressing about it and I started to just embrace whatever feelings I have. It’s still a journey to go but I try my best every day.

I just wanted to add that because mental health is so important and so diverse and I guess most of the people didn’t even know what I was going through at that time (or that I’m going through a hard time right now). Because you couldn’t exactly see that I was struggling. You could get to the conclusion because of my behavior and actions at that time. I’m glad that even though my behavior might have looked odd to others no one called me out. Everyone at least acted really understanding.

So to anyone who is reading this: Be kind to one another. You never know what the person next to you might go through.

Fremd im eigenen Körper - Erinnerungen an die Zeit vor meiner Diagnose


Ich habe den Netflix-Film "Feuer im Kopf"geguckt, bei dem es um eine junge Frau geht, die eine seltene Autoimmunerkrankung hat, bei der das Immunsystem ihr Gehirn angreift. Der Film basiert auf einer wahren Biographie von Susannah Cahalan und ihre anfänglichen Symptome haben mich an meine Zeit vor der Diagnose erinnert, was mich auch dazu veranlasst, diese Worte zu schreiben.
Meistens vermeide ich es, über die Zeit kurz vor der Diagnose nachzudenken, da die Erinnerungen mit viel Schmerz und Verzweiflung durchsetzt sind. Ich verschließe normalerweise die Tür zu diesen Erinnerungen, weil sie mich zu sehr aufregen. Aber nach diesem Film habe ich das Gefühl, dass ich meine Gedanken und Gefühle zu diesem Thema rauslassen muss und auch möchte. Wie ich mich zu dieser Zeit gefühlt habe, können wohl nur sehr wenige Menschen wirklich nachvollziehen und ich kann die Fülle an Emotionen nicht in Worte packen, weil es keine geeigneten Worte dafür gibt.



Wie die meisten meiner Blog-Leser wissen, habe ich während eines Auslandjahres die Diagnose Typ 1 Diabetes erhalten. Die Zeit bis zu dieser Diagnose ist nicht optimal verlaufen. Mir ging es zwei Monate lang psychisch und physisch sehr schlecht und auch nach der Diagnose bekam ich weder eine Schulung noch das benötigte Insulin, weshalb ich mich schweren Herzen dazu entschied, mein Auslandsjahr abzubrechen. In Deutschland kam ich sofort ins Krankenhaus. Lange Zeit habe ich unter einer Angststörung und täglichen Panikattacken gelitten, ausgelöst durch diese zwei Monate, in denen ich nicht wusste, was mit mir passierte. Ich hatte Angst, verrückt zu werden. Ich verlor die Kontrolle über mich und meinen Körper. Ich hatte Angst, zu sterben.

Ich kann nicht mehr genau sagen, wie alles angefangen hat. Ich hatte bereits zuvor Episoden gehabt, in denen ich mich seltsam benebelt fühlte, als würde ich wie automatisch funktionieren und ich mir von außen beim Funktionieren zuschaue. Als wäre ich in Watte gepackt, alles kam nur gedämpft bei mir an. Ich fühlte mich meinem Körper nicht zugehörig, als wäre ich gar nicht Teil von ihm. Mir war schwindelig und alles fühlte sich so falsch an. Auch bei meinem Aufenthalt in New York beim Vorbereitungscamp hatte ich solche Aussetzer, wie ich sie nannte. Das Gefühl lässt sich etwas mit einem niedrigen Blutzucker vergleichen und wer weiß, vielleicht war es ja auch so.
In Amerika fing alles mit einer Grippe an, die einfach nicht mehr weggehen wollte. Ich fühlte mich schwach, mir war durchgehend schwindelig. Die Ärzte sagten, ich würde mir die Symptome einbilden, es wäre der Kulturschock oder Heimweh. Bald würde wieder alles normal sein.
Ich saß im Klassenzimmer und alles drehte sich. Mir wurde schwarz vor Augen, der Raum wurde immer enger. Ich versuchte, nach außen hin ruhig zu wirken. Innerlich dachte ich, dass ich verrückt wurde. Ich bildete mir diese undefinierbaren Gefühle ein. Manchmal saß ich auf dem Bett und wusste nicht, was ich den Tag über gemacht hatte. In der Lunch-Pause konnte ich nicht mehr an den Tischen sitzen, weil mich die Ohnmacht drohte, einzuholen. Also aß ich mein Brot auf der Toilette, ein kleiner enger Raum nur für mich, Stille. Weil ich die Welt und alles um mich herum nicht ertragen konnte. Das Gerede toste in meinen Ohren, das Gelächter war wie spitze Nadelstiche, alles ließ mich nervös werden.
In der Apotheke bekam ich damals meine erste Panikattacke, von der ich nicht wusste, dass es eine war. Ich dachte auch bei jeder Panikattacke, dass es mit mir zu Ende ging. Woher hätte ich auch wissen sollen, dass immerhin dies eine Sache meiner Psyche war?

Ich erinnere mich auch noch an die Zeit in Chicago. Es war ein Ausflug mit anderen Austauschschülern, wir schliefen zu Viert in einem Hotelzimmer. In der einen Nacht schreckte ich alle halbe Stunde hoch und wusste nicht, was mir fehlte, außer dass ich das Gefühl hatte, ganz weit weg zu sein. Durch einen Tunnel zu sehen. Zudem hatte ich eine innere Nervosität, die ich nicht abstellen konnte. Ich lief jede dieser halben Stunden auf Toilette, weil es der einzige Raum war, an dem ich allein sein und die anderen nicht stören konnte. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Verzweiflung. Ich dachte wirklich, dass ich mir all das nur einbildete und verrückt sei. Niemand, dem ich mich anvertrauen wollte. Niemand, der mir helfen konnte. Ich war damit ganz allein auf mich gestellt.
Natürlich merkten die Menschen in meinem Umfeld Veränderungen an mir, aber ich entwickelte auch Strategien, um ihnen Normalität vorzutäuschen. Wie ich es auch später mit der Angststörung tat.

Irgendwann war ich so weit, dass ich zu Gott betete, nicht sterben zu müssen. Ich glaubte weder damals noch heute an Gott. Ich wusste nur nicht mehr weiter. Ich fühlte mich in meinem Körper gefangen, der einfach keine Ruhe geben wollte.

Wie ihr seht, kann ich diese intensiven Gefühle aus den Erinnerungen immer noch nicht greifen und beschreiben. Ich kann nur ein Echo von ihnen empfangen, weil ich mich von ihnen abgeschirmt habe, um zu heilen. Es macht mich traurig, wenn ich daran zurückdenke, wie viel Leid ich durchgemacht habe. Wie gern würde ich zurückgehen und sagen, dass alles gut werden wird. Dass es mir wieder gut gehen wird, dass ich wieder leben werde.
Diese Erinnerungen werden für immer ein Teil von mir sein und manchmal werde ich sie auspacken und sie nachspüren. Heute habe ich gelernt, damit umzugehen. Es ist okay. Ich kann sie loslassen.

Mein Diabetes Leben in Monaten: April und Mai #T1DIG


Herzlich Willkommen zu einer neuen Kategorie auf dem Blog! Wer auf Instagram unterwegs ist, findet mich dort unter @insulea.de
In meinen Storys und in der Gallerie findet ihr dort Bilder und Videos aus meinem alltäglichen Leben mit Typ 1 Diabetes. Da jedoch nicht jeder Mensch mit Diabetes auch automatisch Instagram besitzt, dachte ich, dass es nett ist, wenn ich ausgewählte Bilder auf dem Blog veröffentliche und über die Situationen schreibe, in denen sie entstanden sind.
Unter dem Hashtag/Label #T1DIG (Typ 1 Diabetes InstaGram) findet ihr ab sofort mein Leben mit Diabetes visualisiert.


Ende April war es endlich warm genug, um den neuen Badeanzug und den Sensor am Strand zu präsentieren!


Außerdem habe ich Ende April wieder von Fiasp auf NovoRapid gewechselt.


Meine Einhorn Hülle für den Omnipod hat nicht nur mich, sondern auch die Instagram Follower begeistert! Wie findet ihr die Hülle?


Im Mai war ich morgens in der Schwimmhalle und habe ein paar Runden gedreht. Für manche mag das nicht besonders klingen, aber es war eine große Hürde, die ich dort überwunden habe! Ich hatte jahrelang Angst vor tiefem Wasser und nach der Angsterkrankung habe ich mich erst recht nicht mehr getraut, zu schwimmen.
Es hat jedoch alles gut geklappt und ich fand es super! Schwimmen könnte mein neuer Sport werden.


In der zweiten Maiwoche fanden die Special Olympics für Menschen mit mehrfacher und/oder geistiger Behinderungen in Kiel statt. Ich durfte für das Redaktionsteam der Special Olympics den Instagramaccount betreuen und war die Woche auf verschiedenen Sportwettkämpfen unterwegs, um tolle Momente einzufangen. Die Begeisterung und Freude, die mir in dieser Woche begegnet ist, haben mich wirklich erfüllt! Mein Highlight war die liebe Moni, die ich beim Judo getroffen habe. Sie ist an dem Tag 4. im Judo geworden und hat außerdem ihren 64. Geburtstag gefeiert. Sie hat mir erzählt, dass sie bereits seit 30 Jahren trainiert und Judo sie "einfach glücklich" mache. Solche Begegnungen machen auch mich einfach froh und ich bin dankbar, ein Teil von dieser Bewegung gewesen sein zu dürfen!

Blutzucker-Achterbahnfahrt im April


Der April war für mich in Sachen Diabetes Management kein leichter Monat.
Meine Blutzuckerwerte sind nun nach fast siebenjähriger Erfahrung richtige Achterbahn-Junkies geworden. Ein oder Zwei Mal im Monat ist es auch erträglich, wenn sie ausreißen und zusammen mit dem Diabetesmonster einen imaginären Freizeitpark besuchen. Im April allerdings war ihnen meine Anwesenheitspflicht in der Uni völlig egal und ehe ich mich versah, saß ich selbst in der Achterbahn.
Solche Gedanken formen sich also in meinem Kopf, wenn ich dauerhaft unterzuckert bin und vermutlich einige Gehirnzellen daran abtreten musste. Interessant.


Spaß beiseite - ihr könnt euch sicher vorstellen, wie unglaublich anstrengend ein Monat ist, in dem jeden Tag etwas anderes an Basalrate, Faktoren oder den Umwelteinflüssen nicht stimmen mochte und damit meine Blutzuckerwerte zum Ausrasten brachte. Vermutlich lag es auch daran, dass endlich warmes Wetter eingezogen war und ich zu der Zeit wieder aufgenommen habe, regelmäßig zum Sport zu gehen.
Dennoch sind ein paar unerklärliche Dinge passiert. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die Tage um den 18. April.
Alles fing damit an, dass ich am Tag zuvor nach einer Unterzuckerung über den Zielwert hinausschoß und zwei Stunden in den 300er Werten festhing. Tatsächlich war kein Wutbolus (aus Wut zu viel Korrektur auf einmal abgeben) im Spiel, als mein Blutzucker innerhalb einer halben Stunde von 260mg/dL auf 70mg/dL fiel. Danach fing es dann an. Ich konnte alles Mögliche an süßen Getränken, Traubenzucker, Brot und Keksen in mich hineinstopfen und trotzdem schaffte ich es die ganze Nacht nicht wirklich, aus den roten (Sensor-)Zahlen zu kommen.
Leider musste ich am nächsten Morgen früh zur Uni. Für das Frühstück gab ich nur eine winzige Menge an Insulin ab. Dennoch unterzuckerte ich schon auf dem Weg zur Uni erneut und auch während des Seminars musste eine Cola daran glauben.
Ich fühlte mich zittrig, benommen und konnte mich kaum konzentrieren, wollte aber unbedingt in der Uni bleiben, da ich sonst das Gefühl gehabt hätte, Diabetes gewinnen zu lassen.

Doch waren meine Hypohelfer nach 1,5 Stunden Seminar aufgebraucht und ich entschied mich schweren Herzens dazu, nach Hause zu fahren, da es mir auch körperlich nicht gut genug ging, um weiterhin den Ausführungen des Dozenten zu folgen.
Zuhause angekommen aß ich Nudeln, ohne Insulin abzugeben, trank Cola und stellte meine Basalrate auf -100%. Nachdem dies nach einer Stunde immer noch nichts gebracht hatte, rief ich meinen Diabetologen an. Tatsächlich war auch er mit seinem Latein am Ende. Wir beschlossen, das Ganze noch etwas zu beobachten.
Nach 3 Stunden OHNE Basal- oder sonstigem Insulin, noch einem Malzbier und Keksen wurde es dann endlich besser. Ich glaube, ich habe mich noch nie so gerädert gefühlt wie an diesem Tag. Leider waren auch die nächsten Morgen nicht besser. Ich denke, das Geld, welches ich in den Cola-Automat meines Uni-Gebäudes im April gesteckt habe, hat die Uni endlich reich werden lassen. Mein erster Weg für knapp einen Monat war der allmorgendliche Gang zum roten Automaten mit dem weißen Schriftzug. Da kann man sich echt Besseres vorstellen. Meine Kommilitonen sind sicherlich der Meinung, dass ich süchtig nach Cola bin. Ich kann es ihnen nicht verdenken!

Wie sagt das Sprichwort so schön? Der April macht, was er will. Der Mai war insofern meine Rettung. Die Werte haben sich auf mysteriöse Art und Weise wieder eingependelt. Manchmal muss man eben auch solche Phasen mitmachen.
Was sagt ihr? Habt ihr auch mal total chaotische Phasen und keinen blassen Schimmer, was ihr falsch gemacht haben könntet?
Ich freue mich auf eure Stories!

Hypoangst - wie ich die Angst vor Unterzuckerungen besiegt habe


Wer meinen Blog schon länger verfolgt, der weiß, dass ich nach der Diagnose lange Zeit mit einer Angststörung und daraus resultierenden Panikattacken kämpfen musste. Diese wurden zwar nicht durch die Diabetesdiagnose an sich, sondern durch die anfängliche falsche Behandlung ausgelöst, jedoch wirkte sich die Angsterkrankung natürlich auch auf meinen Diabetes aus.

Die Angstserkrankung machte mir vor allem zu schaffen, da ich in den Momenten der Panikattacken keine Kontrolle über meinen Körper hatte und nur durch jahrelange Konfrontationstherapie geschafft habe, diese Kontrolle wiederzugewinnen.
Dieses Bedürfnis nach Kontrolle hat sich auch auf mein Diabetes Management ausgewirkt.
Da ich relativ lang in der Honeymoon-Phase meines Diabetes steckte, hatte ich teilweise sehr chaotische Werte und war auch oft unterzuckert. Diese Unterzuckerungen lösten in mir zusätzliche Panik aus, da ich Angst davor hatte, umzukippen und die Symptome einer Unterzuckerung an die meiner Panikattacken erinnerten. Ich konnte also nur schwer unterscheiden, ob das zittrige Gefühl, die wackeligen Knie und der Schwindel von einer anrollenden Panikattacke oder niedrigen Blutzuckerwerten kam.
Diese sogenannte Hypoangst verfolgte mich und ich hielt meine Blutzuckerwerte gern über 140 mg/dL, damit ich nicht in eine Hypo rutschte. Schon bei Werten unter 100 mg/dL wurde ich panisch und aß etwas. Daraus resultierte, dass ich oft auch Werte über 200 mg/dL hatte, die ich jedoch auch nicht gern korrigierte, weil ich nicht zu niedrig rauskommen wollte. Zusätzlich testete ich meinen Blutzucker ungefähr jede Stunde und kam bis auf 24 Messungen pro Tag.
Dass das nicht so weitergehen konnte, war klar.
Allerdings war meine erste Priorität, die Angsterkrankung und die Panikattacken im Kern zu bekämpfen, die Diabetestherapie kam daher erst an zweiter Stelle, auch weil mein HbA1c Wert durch die Honeymoon-Phase dennoch nie über 7,2% stieg und meine Blutzuckerwerte auch selten die 250er Marke knackten.



Nachdem ich nach drei Jahren Konfrontationstherapie meine Panikattacken zwar nicht losgeworden war, diese jedoch kontrollieren konnte, wurde es Zeit, sich um andere Dinge auf meiner Prioritätenliste zu kümmern. Zwar hatte ich vorher schon versucht, weniger zu messen und meine Werte niedriger zu halten, aber es wollte sich kein richtiger Erfolg einstellen.

Besser wurde es erst, nachdem ich 2014 zu den ersten Menschen gehörte, die das Freestyle Libre als Selbstzahler nutzen konnten.
Eine bessere Übersicht über den Verlauf meiner Werte half mir, einen Teil meiner Angst zu verlieren. Ich wusste nun ganz genau, wie mein Blutzucker auf bestimmte Situationen wie Sport und Nahrungsmittel reagierte und konnte sehen, wann sich der Blutzucker in niedrige Gefilde bewegte. Ich denke, es ist vor allem wichtig, sich sehr genau mit den Blutzuckerwerten und dem eigenen Körper auseinanderzusetzen, um neue Sicherheit in der Therapie zu gewinnen.
Die psychische Komponente lässt sich nicht durch Logik allein besiegen, das ist klar. Aber ich konnte so schnell nachschauen, ob mit den Blutzuckerwerten alles in Ordnung ist und mir damit selbst Mut machen.
Langsam wurde ich mir auch meines Körpergefühls sicherer. Ich wusste nun genau, welche Symptome einer Unter- oder Überzuckerung zuzuordnen waren. Außerdem konnte ich nun auch spüren, wann der Blutzucker zu schnell sinkt und dementsprechend reagieren.

Eine weitere Konfrontationstherapie gab es noch umsonst dazu - immer dann, wenn ich wirklich unterzuckerte.
Ich denke, niemand mag dieses Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man stark unterzuckert ist. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich kann nun diese unangenehmen 10-15 Minuten aussitzen, ohne in Panik zu verfallen. Das hat zugegeben um die 5 Jahre gedauert und viel Energie gekostet, aber wichtiger ist doch, dass ich es geschafft habe und nun frei von diesen Ängsten bin.
Es gibt (leider) keine Schritt für Schritt Anleitung oder 5 gute Tipps von mir, um eine solche Angst zu besiegen. Mir hat die Konfrontationstherapie und ein Sensor bzw. angelesenes Diabetes Knowledge geholfen und dazu natürlich eine große Portion Willenskraft und Disziplin.

Hast auch du Angst vor Hypos oder anderen Aspekten deines Diabetes? Schreib mir gern und berichte mir davon!
Denke immer daran: Du bist nicht allein!

Der weibliche Zyklus und Pille absetzen mit Typ 1 Diabetes - Erfahrungen und #ZyklusRoundUp


Im Oktober war ich auf dem ersten Diabetesbarcamp der Blood-Sugar-Lounge und war besonders begeistert über Tines Session zum Thema Zyklus und Diabetes. Es ging unter anderem darum, wie der weibliche Zyklus die Blutzuckerwerte beeinflusst, um das Pille absetzen und um Schwangerschaft mit Typ 1 Diabetes.
Leider muss man sagen, dass nicht nur unter Menschen mit Diabetes das Thema weiblicher Zyklus eher als Tabu angesehen wird. Es gibt immer noch Menschen, die einen komisch anschauen, wenn man offen über Periode und Co redet. Glücklicherweise gibt es viele Gegenbewegungen und viele starke und mutige Menschen, die auch mich dazu inspiriert haben, mit diesen Themen offener umzugehen. Denn mal ehrlich: Der weibliche Zyklus ist das Normalste auf der Welt und das Entdecken und Analysieren des eigenen Körpers sollte ebenso normal und selbstverständlich sein.

Menschen mit Diabetes wissen es: Es gibt 1000 Dinge, die den Blutzucker beeinflussen können. Man muss kein Mediziner sein, um zu wissen, dass Hormone die Blutzuckerwerte ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen können.
Dennoch wird erschreckend wenig darüber geredet und informiert. Auch meine DiabetesberaterInnen und Diabetologen haben lediglich erwähnt, dass die Blutzuckerwerte durch den Zyklus beeinflusst werden, darauf wurde aber nicht wirklich näher eingegangen. Für mich persönlich war das nicht so schlimm, da ich mich sowieso viel mit meinem Körper auseinandersetze und tatsächlich für jede der vier Wochen eines Monats wusste, wie mein Blutzucker reagieren würde. Natürlich kennt man sich selbst am Besten mit seinem Körper aus und kann diese Dinge herausfinden - jedoch wäre etwas mehr Hilfestellung dabei nicht schlecht. Generell sollte die Angst genommen werden, über solche Themen zu sprechen. Wie Tine schon sagte, auch ich wünsche mir einen offenen Dialog! Erzählt doch auch gern von euren Erfahrungen!


Ich möchte noch mal kurz auf meine eigenen Erfahrungen im Hinblick auf Blutzuckerwerte und Hormone eingehen. Dazu möchte ich noch sagen: Jeder Körper ist anders, daher wird auch jeder Körper unterschiedlich und vor allem auch unterschiedlich stark oder schwach auf die weiblichen Zyklushormone reagieren. Genau so fällt die Perioden bei den unterschiedlichsten Frauen natürlich auch unterschiedlich aus. Nicht jeder hat starke Unterleibsschmerzen oder PMS. Was man hier auf keinen Fall tun darf ist zu stigmatisieren! Jeder Körper ist anders.

Ich habe relativ früh angefangen, die Pille zu nehmen. Damals gar nicht wegen des Verhütungsaspektes, sondern weil ich so starke Schmerzen während meiner Periode hatte. Die ersten zwei Tage konnte ich nur im Bett verbringen, ich hatte nicht mal Kraft und Energie, um etwas zu essen, zu trinken oder allein auf Toilette zu gehen. Das ist nicht übertrieben und man kann nur vermuten, weshalb das so war. Jedenfalls war dieses Leid keine Option für mich. Mit der Einnahme der Pille wurde es dann schnell besser und die Unterleibsschmerzen und vorausgehende PMS waren noch vorhanden, aber meist aushaltbar.
Eine Woche vor meiner Periode waren meine Blutzuckerwerte immer stark erhöht, ich hatte das Gefühl, dass das Insulin einfach nicht wirken wollte. Seitdem ich eine Pumpe trage, habe ich in dieser Woche die Basalrate auf 160% laufen lassen, was meistens ganz gut geklappt hat.
Der erste Tag meiner Periode war immer eine kleine Katastrophe. Die Werte sind in der Nacht stark gefallen und ich hatte oft Werte um die 50mg/dL, die einfach nicht wieder in die Höhe steigen wollten. Auch die nächsten 2 Tage verbrachte ich immer damit, möglichst viele Kohlenhydrate in mich hineinzustopfen. Vermutlich nicht das beste Konzept, aber die Basalrate zu reduzieren hat auch nicht geholfen. Auch die Woche nach meiner Periode waren die Werte etwas chaotisch, wobei es da entweder in die Höhe oder Tiefe ging. Vorausschauendes Handeln war eher schwierig.
Eine Woche im Monat lief dann immerhin alles am Schnürchen.
Ganz schön viel Arbeit für ein Thema, über das (nicht nur) in der Diabeteswelt nicht gern geredet wird.


Nachdem ich mich mit den Gesundheitsrisiken und Nebenwirkungen der Antibabypille stärker auseinandergesetzt hatte, wollte ich die Pille gern absetzen, hatte aber auch Angst, was das mit meinen Blutzuckerwerten anrichten würde. Lange Zeit habe ich mich deshalb nicht getraut, aber schlussendlich wusste ich, dass es die richtige Entscheidung ist, die Einnahme von zusätzlichen Hormonen zu stoppen. Inspiriert haben mich dazu auch noch mal die Gespräche mit Tine und ich bin sehr froh, dass es in unser Szene solche Personen wie Tine gibt, die sich so dafür engagieren, dass mehr solcher offenen Dialoge entstehen. Danke dafür!

Die Gründe für das Absetzen der Pille sind vielfältig und ich möchte hier an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, weil es bereits viele gute Artikel im World Wide Web dazu gibt.
Vielmehr möchte ich euch erzählen, was das Absetzen der Pille bei mir und meinen Blutzuckerwerten bewirkt hat.
Seit 3 Monaten habe ich die Pille nun abgesetzt.
Als Erstes fiel auf, dass ich viel häufiger unterzuckerte - ich habe Basalrate und Faktoren angepasst und konnte meinen Insulinbedarf ordentlich reduzieren.
Auch sind meine Menstruationsschmerzen wie weggeblasen - tatsächlich spüre ich nur noch ein leichtes Unwohlsein und ich fühle mich etwas energieloser als sonst.
Meine Zyklen sind etwas unregelmäßiger, aber höchstens um ein paar Tage verschoben. Ich tracke alles mit der App "Clue", die ich euch auch empfehlen kann.
Leider muss ich berichten, dass ich im Gesicht und Dekolleté vermehrt Pickel bekommen habe und meine Kopfhaut schnell fettet und daher auch schuppt. Dem kann man aber ganz gut entgegen helfen und ich bin mir sicher, dass diese "Nebenwirkungen" auch bald wieder nachlassen.
Allgemein habe ich das Gefühl, eine bessere Grundstimmung zu haben und bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung.

Tine hat den Zyklus Round Up ins Leben gerufen, welchen ich nun auch nach Möglichkeit als Berichterstattung verwenden möchte. In drei Monaten melde ich mich wieder!
Antje hat in der Blood Sugar Lounge einen Beitrag zum Thema verfasst: Raus aus der Tabuzone - wir reden jetzt über Diabetes und den weiblichen Zyklus.
Auf Kathis Youtube Kanal Diabeteswelt findet ihr alles über Diabetes und Schwangerschaft, da Kathi ihre zwei Schwangerschaften mit der Kamera begleitet (hat).

Insulea unterwegs: ATTD 2018 in Wien




Die 11. Internationale Konferenz on "Advanced Technologies & Treatments for Diabetes" (ATTD 2018) fand dieses Jahr in Wien statt und ich bekam von Roche Diabetes Care die Chance, an ihrem #DiabetesMeetUp Event teilzunehmen und die Messe zu besuchen.


Dieses Mal reiste ich mit einem Nachtzug an und ich kann wirklich jedem empfehlen, mal eine Nacht im Schlafwagen zu nächtigen! Ausgeruht kam ich morgens in Wien am Hauptbahnhof an und wurde dort von Anna abgeholt, die den Blog Onne Pe führt. Zusammen mit ihr ging es dann vegan frühstücken, bevor wir mit einem Shuttle zur Eventlocation von Roche gebracht wurden.

Beim Roche Event wurde uns das Eversense XL vorgestellt, welches die ursprüngliche Tragedauer von 90 Tagen auf 180 Tage ausweitet. Ein implantierter Sensor, der ein halbes Jahr hält? Klingt spannend. Anna hat über das Eversense bereits einen Testbericht verfasst.

Sarah von Dia-Beat-This & Ich beim Event 

Außerdem durften wir unser Feedback zu einer App für die Insight Insulinpumpe abgeben. Das langfristige Ziel ist es, dass die Pumpe über die App gesteuert werden kann. Als optionale Möglichkeit finde ich das sehr praktisch, denn wenn man beispielsweise ein Kleid trägt oder sich die Pumpe im Winter unter drei Lagen Kleidung versteckt, kann es mitunter schwierig werden, die Insulinpumpe zu bedienen.

Ich finde es gut, dass es immer mehr Apps gibt bzw. geben soll, die uns das Leben mit Diabetes erleichtern. Problematisch finde ich es nur, dass wir den Besitz eines Smartphones nicht mehr als Privileg sehen, was es jedoch ist. Denn nicht jeder Mensch mit Diabetes kann sich überhaupt ein Smartphone leisten oder damit umgehen. Natürlich wird es für diese Menschen generell schwer sein, eine Insulinpumpe zu beziehen. Aber ich denke, dass man sich Gedanken darüber machen sollte, wie man mehr Menschen mit Diabetes die Nutzung von Pumpen und Sensoren möglich machen kann. Besonders wichtig finde ich es dabei auch, Sensoren und Pumpen für Babys und Kleinkinder freizugeben.
Ein weiterer Aspekt ist die Umwelt. Weniger Müll, bessere Möglichkeiten der erneuten Nutzung und Wiederverwertung.

Kathi von Diabeteswelt mit unserem Barkeeper 

Am Abend des #DiabetesMeetUps haben wir uns in der Hotelbar getroffen und durften Cocktails mixen! Natürlich auch in alkohol- und zuckerfrei. Ich fand das eine nette Abwechslung, bei der man außerdem viel Zeit hatte, um mit den anderen TeilnehmerInnen zu interagieren.

Am nächsten Tag ging es bereits morgen zur Messe, bei der wir uns über die Neuigkeiten und Start Ups der Diabetesszene informieren konnten.


Bei Medtronic gab es den neuen Minimed Mio Advance zu bestaunen, der das Einsetzen des Infusionssets vereinfachen soll. Mit nur einem Klick ist alles getan. Leider nicht in anderen Farben erhältlich.


Auf der Start-Up-Ecke fanden wir InsulClock, ein spanisches Unternehmen, das vor allem für Pen-Nutzer interessant sein könnte. Die InsulClock kann ganz einfach oben auf den Pen gesetzt werden und zeigt an, wann wie viel von welchem Insulin abgegeben wurde. Außerdem gibt der Pen nach 10 Sekunden ein Piepen ab, so dass man die Injektion nicht frühzeitig beendet und Insulin daneben geht. Die Werte werden direkt ans Smartphone gesendet und in eine Tagebuchapp eingetragen. In der App kann man auch nach seinem Pen suchen, wenn dieser abhanden gekommen ist. Kostenpunkt um die 250€. Erscheinungsdatum ungewiss.



Ein neues CGM am Diabeteshimmel kommt von der Firma Metronom Health, die ihren Sitz in Belgien und Kalifornien hat. Das CGM benötigt keine Kalibration und hält 14 Tage. Es ist klein, flach und verbraucht nicht viel Müll, da nur die Oberseite des Sensors ausgewechselt werden muss. Es soll 2019 in ein paar Ländern getestet werden.



Nachmittags war ein Event von Dexcom angesetzt, bei dem wir alles über die Nachfolgergeneration des Dexcom G5 Sensor erfuhren. Das Dexcom G6 soll bereits in diesem Jahr auf den internationalen Markt kommen! Ob Deutschland eines der ersten europäischen Länder ist, welche das neue CGM beziehen können, ist leider noch nicht bestätigt.
Das G6 hat eine Laufzeit von 10 Tagen und muss nicht mehr kalibriert werden, die Möglichkeit besteht jedoch weiterhin. Ein Applicator zum einhändigen Einsetzen des Sensors und eine generalüberholte Clarity App werden ebenfalls mit auf den Markt kommen.
In jedem Fall interessant waren auch die Zukunftsaussichten von Dexcom, zum Beispiel eine Kooperation mit Insulet (Omnipod) oder verily, welches zu Google gehört.





Abends stieg dann eine Party im mysugr Headquarter mit passenden monstermäßigen Getränken und einer Mitarbeiter-internen Band! Es war ein gelungener Abschluss für zwei spannende Tage!