5 Dinge, bei denen man sich als Diabetiker eingeschränkt fühlt


"Mit Diabetes kann man heutzutage doch gut leben" schallt es aus allen medizinischen Fachkreisen und in gewissem Maße stimme ich dieser Aussage zu, denn mit der neuesten Technik an Insulinpumpen, Messgeräten und Sensoren können wir gesund und dementsprechend gut leben.

Und es ist auch nicht so, als würden wir nervige Situationen nicht gut meistern können, trotzdem wünschen wir uns doch alle mal eine Auszeit von gewissen Dingen, die mit dem Diabetes verknüpft sind.
Leider ist das nicht machbar und diese negativen Gefühle enden schnell in Frust, man fühlt sich eingeschränkt und mitunter unverstanden.

Lasst euch gesagt sein: Selbst dem positivsten Menschen mit Diabetes passiert es, dass er sich bei negativen Gedanken erwischt.
Es ist völlig okay, sich in solchen Momenten auch mal schlecht zu fühlen - wichtig ist, was wir aus unserer Einstellung machen.

Ich selbst erlaube mir Tage, an denen ich den Diabetes einfach blöd finde, versuche gleichzeitig aber auch, mich nicht von einer negativen Gedankenschleife runterziehen zu lassen.
Klar, manchmal fällt es schwer, dann noch positiv zu denken und in dem Fall rufe ich mir mein "Motto" ins Gedächtnis: Just keep going.
Dieser Tag wird vorbeigehen und ein Tag voller neuer Chancen wird folgen.

1. An Schlaf ist manchmal nicht zu denken

Man liegt im warmen, weichen Bett, schön eingemurmelt und bereit, sich von seinen Gedanken einlullen zu lassen, aber... Moment mal!
Man muss ja noch die Pumpe/ den Katheter wechseln oder die Technik hat sich gerade idealerweise verabschiedet und die Blutzuckerwerte steigen rasant an.
Vielleicht sollte man auch noch mal messen, um zu schauen, ob der Blutzuckerwert für die Nacht in Ordnung ist.
Natürlich ist der Wert immer zu hoch oder zu niedrig, wenn man todesmüde ist.
Also muss man doch wieder aufstehen, entweder, um ein paar Hypohelfer zu besorgen oder aber um zum Millionsten Mal in der Nacht auf Toilette zu gehen, hohe Werte sei dank.
Besonders toll macht sich nachts auch der "Hypo-Hyper-Teufelskreis".
Zu viel gefuttert oder zu viel Korrektur abgegeben und schon tritt das Gegenteil ein.
Wenn du also einen übernächtigten Diabetiker triffst - sprich ihn nicht darauf an, denn...

2. Unkontrollierbare Gefühle

Manchmal passiert es bei einer Hypo oder Hyper, dass meine Gefühle verrückt spielen und aus Erzählungen weiß ich, dass ich mit diesem Problem nicht allein bin.
Gerade bei hohen Blutzuckerwerten kann ich wirklich aggressiv werden und selbst wenn ich weiß, dass ich alberne und blöde Dinge von mir gebe, kann ich mich nicht bremsen.
Genau so bei einer Hypo, obwohl ich in dem Fall eher unzusammenhängendes und wirres Zeug rede.
In Gesprächen oder bei Präsentationen kann das schon wirklich unangenehm werden, vor allem, wenn das Gegenüber nicht gut über diese körperliche Reaktion Bescheid weiß.

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Panky, auf dich aufzupassen ist manchmal ganz schön schwer!

3. Sport und Diabetes

Wenn man auf gewisse Dinge achtet, klappt es mit Diabetes sehr gut, Sport zu treiben.
Doch gerade diese goldenen Regeln sind ab und an richtig lästig.
Wichtig ist der Blutzuckerwert vor dem Sport, denn er bestimmt meist, wie wir uns während des Sports fühlen.
Zu niedrig darf man gar nicht erst anfangen, sonst kassiert man nur Hypos.
Zu hoch ist aber auch unangenehm, ich jedenfalls erbringe bei Werten über 200 mg/dl keine Leistung und Sport bringt mir dann keinen Spaß mehr.
Ein guter Snack vor dem Sport ist wichtig, um die Balance des guten Wertes zu erhalten.

Generell wird oft das Essen müssen vor dem Sport als störend empfunden, weniger zur Hauptmahlzeit davor zu spritzen ist aber auch nicht immer eine optimale Lösung.
Selbst nach dem Sport kann es je nach Anstrengung passieren, dass der Blutzucker richtig hoch steigt oder auch noch Stunden danach absinkt.
Gerade Abends ist es da schwer, Sportkurse mitzumachen, wenn man eine nächtliche Hypo vermeiden möchte.


4. Diabetes und Essen

Mittlerweile dürfen selbst Typ 2 Diabetiker essen, was sie möchten, solange auf eine gesunde Ernährung Acht gegeben und die angepasste Insulindosis für die Nahrungsmittel gespritzt wird.

Wieder spielen dabei Hypo oder Hyper eine Rolle - denn manchmal möchte man entweder nichts zu sich nehmen und muss doch, weil eine Unterzuckerung naht oder eine Überzuckerung zwingt einen dazu, das Essen zu verschmähen.

Auch das Verschätzen von Kohlenhydraten, sehr oft beim Asiaten, zieht nervige Konsequenzen mit sich.
Entweder man spritzt viel zu gut oder viel zu wenig und vergisst die FPE (Fett-Protein-Einheiten) verzögert zu spritzen.
Habt ihr nicht auch manchmal das Gefühl, dass sich das Essen gegen euch verschworen hat?

5. Alle Diabetesutensilien griffbereit haben

Nadeln, Spritzköpfe, Pen, Pumpe, Katheter, Pflaster, Ersatzzeug, Messgerät, Teststreifen, Stechhilfe, Traubenzucker, Batterien, Insulin...

Diabetiker sieht man nicht oft mit kleiner Tasche in freier Wildbahn, denn es muss schließlich alles dabei und jeder mögliche Notfall gut durchdacht worden sein.
Besonders lästig, wenn die Tasche für den Urlaub dann doppelt so groß ist wie die des nichtdiabetischen Mitreisenden und man aussieht, als wäre man für eine Weltreise gewappnet.
Diabetestechnisch ist man das dann meistens auch.

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Ich hoffe, euch hat die Auflistung all dieser Dinge gefallen und ihr habt euch bei dem einen oder anderen Punkt wiedererkannt.

Für all die Nichtdiabetiker bleibt zu sagen: Diese Dinge erledigen wir meist völlig selbstverständlich und ohne viel darüber nachzudenken, aber es gibt immer Phasen, in denen der normale Alltag schon stressig genug ist und man dieses "Diabetespäckchen" nicht tragen, sondern einfach in die Ecke pfeffern möchte.
Dann braucht man einen guten Freund, der sich in die Lage hineinversetzen und Mut zusprechen kann.
Egal ob Typ 1, 2 oder F.

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