Diabetes und Zahnop - ein Erlebnisbericht


Was ist passiert?
Es ist ein halbes Jahr her, dass mein Zahnarzt den Zahnfleischschwund an meinen unteren Vorderzähnen entdeckte.
Das müsse schnellstmöglich operiert werden, da sonst die Gefahr des Zahnverlustes bestünde.
Natürlich ist das nichts, was man gern hören möchte, wenn man morgens im Zahnarztstuhl hängt, während man vom grellen Licht geblendet wird.
Erst hatte ich Angst, dass dieser Schwund eine Art Folgeerkrankung vom Diabetes sein könnte, aber mein Zahnarzt beruhigte mich schnell. Es sei wohl damals eher durch meine feste Zahnspange entstanden, die meine Zähne zwar schön im Kiefer nach vorne gerückt, damit meine Zähne in einer Reihe glänzten, das Zahnfleisch aber nicht mitgenommen habe.
(Warum genau der Schwund aber erst Jahre danach auftritt, konnte er mir auch nicht beantworten.)


Der Tag der OP
Tatsache war, dass etwas gemacht werden musste und so fand ich mich Anfang März in der Kieferchirurgie wieder.
Es war ein halbstündiger Eingriff geplant, bei dem mir aus dem Gaumen aus einem circa 1cm langem Schnitt Bindegewebe entnommen werden sollte, welches dann als Ersatzzahnfleisch implantiert werden sollte.
Wie Zahnarzt und Chirurgin versicherten: Alles halb so wild!

Vor der Operation bekam ich ein Beruhigungsmittel, welches nicht so sehr anschlug, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zwar war ich relativ ruhig, aber mir war sicher nicht alles so egal, wie vorher angekündigt.
Für die Überwachung der Blutzuckerwerte während der Operation hatte ich meine Mutter dabei, die sich als Einzige etwas auskennt. Bei der Operation selbst durfte sie dann aber leider nicht dabei sein, was ich nicht besonders gut fand, da so niemand meine Werte überprüfen konnte und ich gerade in solchen stressigen Situationen oft unterzuckere.
Vorsichtshalber hatte ich die Basalrate komplett ausgestellt.

Schon der Beginn der Operation war mehr als unangenehm, da ich zuerst 16 Piekser der Betäubungsspritze über mich ergehen lassen musste.
Zum Glück hatte ich vorher von der Assistenzärztin einen Knautschball bekommen.

Wie sollte es auch anders sein kam es zu einer Komplikation während der OP: Ich habe einfach zu wenig Bindegewebe im Gaumen!
Statt des 1 cm langen Schnittes wurden es dann zwei Schnitte von je 2,5cm Länge, recht nah an den Zähnen.
Tatsächlich wurde so viel Bindegewebe entnommen, dass ich nach der Operation auf jeder Seite ein Loch bis zum Kieferknochen hatte.
Natürlich musste alles sehr ordentlich genäht werden, weshalb die halbstündige Operation dann doch eineinhalb Stunden dauerte.

Babygläschen Power!


Komplikationen
Die geplanten 2 Tage nichts essen wurden schnell auf zwei Wochen korrigiert.
In den ersten Tagen konnte ich weder reden noch essen.
Eine extra angefertigte Gaumenplatte half mir, die Wunden im Gaumen zu schonen. Das entnommene Bindegewebe an meinen Vorderzähnen wuchs nun als Zahnfleischersatz an und schmerzte ebenfalls.
Da ich nicht wirklich essen wollte und konnte, hatte ich meine Basalrate schon runtergeschraubt, trotzdem unterzuckerte ich oft. Zum Glück gibt es auch flüssige Hypohelfer!

Nach ein paar Tagen stieg ich dann auf Babygläschen und Püriertes um.
Ungelogen kann man sagen, dass ich mich einen Monat lang eher flüssig und nicht besonders ausgewogen ernähren konnte.
Gesundheitlich fühlte ich mich dadurch ziemlich schwach und die Versuche, Sport zu machen, endeten in Schwindelanfällen. Ich musste wohl oder übel einen Gang runterschalten und ausruhen.
Die ganze Situation erinnerte mich unterbewusst ziemlich an die schlimme Zeit nach meiner Diagnose, weshalb ich daran auch psychisch ziemlich zu knabbern hatte.
Alles in allem waren das nicht die besten zwei Monate meines Lebens.

Ein typisches Frühstück

Wie sieht es jetzt aus?
Tatsächlich kann ich erst seit einer Woche wieder einigermaßen normal vom Essen abbeißen. Davor musste ich alles in mundgerechte Stücke schneiden. Die Löcher im Gaumen sind glücklicherweise nicht mehr ganz so tief, allerdings immer noch gut spürbar. Das Gefühl im Gaumen kommt langsam zurück.
Leider hat sich das implantierte Zahnfleisch entzündet und ist an einigen Stellen nicht so angewachsen, wie es sollte.
Das bedeutet, dass ich die Operation wiederholen sollte(muss), allerdings ist mir die Entscheidung freigestellt.
Da es keine wirkliche Alternative gibt, werde ich das Prozedere höchstwahrscheinlich erneut über mich ergehen lassen.
Zuerst muss ich diese unerfreuliche Nachricht jedoch sacken lassen.

2 Kommentare

6. Mai 2017 um 11:01

Zahn-OP's sind Mist . Ich kenne das auch . Ich drücke Dir für den nächsten Eingriff die Daumen , das sich dieses Mal nichts entzündet .
LG Silke

Lea
10. Mai 2017 um 11:46

Vielen lieben Dank, Silke!

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