Faster-acting Insulin aspart (Fiasp) - Der erste Eindruck


Seit zwei Wochen läuft mein Omnipod nun mit dem neuen Insulin Fiasp von NovoNordisk, welches einen schnelleren Wirkeintritt verspricht.
Bevor ich meine Pumpe mit dem Insulin befüllte, habe ich mich in der Diabetes Community nach ersten Erfahrungen und Tipps umgeschaut.


Worauf sollte ich achten, wenn ich das neue Insulin teste?


  • Die Wirkdauer von Fiasp ist kürzer als die von NovoRapid. Eventuell muss mit einem verzögerten Bolus gearbeitet werden, damit der Blutzucker nicht plötzlich nach zwei Stunden ansteigt, weil nicht mehr genügend Bolusinsulin vorhanden ist. Außerdem sollte die Wirkdauer in der Pumpe bei Bedarf umgestellt werden.
  • Der Wirkeintritt bei Fiasp ist kürzer als bei NovoRapid. Das bedeutet, dass ein eventuell eingehaltener Spritz-Ess-Abstand (SEA) nicht mehr oder kürzer eingehalten werden sollte.
  • Da das Fiasp schneller wirkt, sollte eine Korrektur vorsichtiger berechnet werden, um nicht zu unterzuckern.
  • Eventuell muss die Basalrate durch den schnelleren Wirkungseintritt geändert werden
  • Einige Nutzer beklagten sich über Kopfschmerzen nach der Umstellung. Außerdem brannte die Einstichstelle bei einigen Nutzern nach der Abgabe von Fiasp und/oder die Katheter mussten schneller gewechselt werden, da die Einstichstelle angeschwollen war.
  • Auch wenn es paradox klingt: Manchmal braucht der Körper etwas, um auf ein neues Insulin umzustellen. Auch bei Fiasp wurde das beobachtet.


Meine Erfahrungen

Glücklicherweise hatte ich in den ersten Tagen keine Probleme mit Kopfschmerzen oder schmerzenden Hautirritationen. Leider wirkte das Fiasp aber auch noch nicht so wie versprochen. Tatsächlich brauchte mein Körper zwei Tage, um sich an das neue Insulin zu gewöhnen. Die ersten zwei Tage hatte ich wirklich das Gefühl, nichts anderes als Wasser zu spritzen.
Da meine Werte vor dem Fiasp eine sehr chaotische Phase durchmachten, war das für mich nicht frustrierender als sowieso schon. Dauernd stand auf meinem Libre eine Zahl über 250mg/dL, obwohl ich wirklich versuchte, alles richtig zu machen.
Ich war als gerade schon dabei, meine Basalrate anzupassen und meine KE-Faktoren zu erhöhen.
Und ab dem dritten Tag lief es plötzlich!
Über Nacht hatte sich der Blutzucker bei netten 110mg/dL eingependelt und verließ diesen Rang höchstens, um bis auf 140mg/dL anzusteigen. So einen Tag mit Werten im blauen (grünen!) Bereich hatte ich lange nicht mehr!
Seitdem ich dann auch meinen perfekten Spritz-Ess-Abstand (SEA) für das Fiasp ausgetestet habe, hören diese Tage gar nicht mehr auf. Bis jetzt bin ich also wirklich begeistert vom Fiasp!
Ich würde also Jedem, der ein Problem mit langen SEAs empfehlen, das Insulin auszutesten. Allerdings muss dann auch eine engmaschige Überwachung des Blutzuckers erfolgen. Man muss ein bisschen an seinen Faktoren feilen, bis es zu einem zufrieden stellenden Resultat kommt.


Mein SEA vor den Mahlzeiten lag bei NovoRapid bei einer halben Stunde und ich hatte oft Schwierigkeiten, diesen einzuhalten, vor allem in der Universität. Deshalb gab es jeden Tag nervige Spitzen nach dem Essen, die ich natürlich gern vermeiden wollte.
Mit Fiasp halte ich einen SEA von so ungefähr 5-7 Minuten ein, die Wirkdauer in der Pumpe habe ich bei 2.5 Stunden gelassen. Für mich passt das sehr gut. Natürlich arbeite ich auch weiterhin mit einem verzögerten Bolus bei bestimmten Nahrungsmitteln, zum Beispiel bei Nudeln oder Pizza.
Tatsächlich habe ich es bisher nie so richtig geschafft, für eine Pizza so zu spritzen, dass ich nicht entweder unterzuckere oder nach 2-3 Stunden überzuckere. Mit Fiasp ist es mir das erste Mal gelungen, konstant bei 134mg/dL nach dem Pizzagenuss zu bleiben! Das war ein kleines Erfolgserlebnis.

Ich werde euch über weitere Erfolgserlebnisse auf dem Laufenden halten! Falls ihr Fragen zu meiner Nutzung von Fiasp habt, hinterlasst mir gern ein Kommentar. Ich würde mich auch freuen, wenn ihr mir von euren Erfahrungen mit dem Fiasp berichtet!


Weitere Artikel zum Thema Fiasp findet ihr hier:

Tim: Ein Monat mit Fiasp + Grafiken

Ramona: Die erste Woche mit Fiasp

Christians Erfahrungen mit Fiasp

Bietet Fiasp Vorteile für Sportler?

Was ist Fiasp überhaupt?




Diabetes und Zahnop - ein Erlebnisbericht


Was ist passiert?
Es ist ein halbes Jahr her, dass mein Zahnarzt den Zahnfleischschwund an meinen unteren Vorderzähnen entdeckte.
Das müsse schnellstmöglich operiert werden, da sonst die Gefahr des Zahnverlustes bestünde.
Natürlich ist das nichts, was man gern hören möchte, wenn man morgens im Zahnarztstuhl hängt, während man vom grellen Licht geblendet wird.
Erst hatte ich Angst, dass dieser Schwund eine Art Folgeerkrankung vom Diabetes sein könnte, aber mein Zahnarzt beruhigte mich schnell. Es sei wohl damals eher durch meine feste Zahnspange entstanden, die meine Zähne zwar schön im Kiefer nach vorne gerückt, damit meine Zähne in einer Reihe glänzten, das Zahnfleisch aber nicht mitgenommen habe.
(Warum genau der Schwund aber erst Jahre danach auftritt, konnte er mir auch nicht beantworten.)


Der Tag der OP
Tatsache war, dass etwas gemacht werden musste und so fand ich mich Anfang März in der Kieferchirurgie wieder.
Es war ein halbstündiger Eingriff geplant, bei dem mir aus dem Gaumen aus einem circa 1cm langem Schnitt Bindegewebe entnommen werden sollte, welches dann als Ersatzzahnfleisch implantiert werden sollte.
Wie Zahnarzt und Chirurgin versicherten: Alles halb so wild!

Vor der Operation bekam ich ein Beruhigungsmittel, welches nicht so sehr anschlug, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zwar war ich relativ ruhig, aber mir war sicher nicht alles so egal, wie vorher angekündigt.
Für die Überwachung der Blutzuckerwerte während der Operation hatte ich meine Mutter dabei, die sich als Einzige etwas auskennt. Bei der Operation selbst durfte sie dann aber leider nicht dabei sein, was ich nicht besonders gut fand, da so niemand meine Werte überprüfen konnte und ich gerade in solchen stressigen Situationen oft unterzuckere.
Vorsichtshalber hatte ich die Basalrate komplett ausgestellt.

Schon der Beginn der Operation war mehr als unangenehm, da ich zuerst 16 Piekser der Betäubungsspritze über mich ergehen lassen musste.
Zum Glück hatte ich vorher von der Assistenzärztin einen Knautschball bekommen.

Wie sollte es auch anders sein kam es zu einer Komplikation während der OP: Ich habe einfach zu wenig Bindegewebe im Gaumen!
Statt des 1 cm langen Schnittes wurden es dann zwei Schnitte von je 2,5cm Länge, recht nah an den Zähnen.
Tatsächlich wurde so viel Bindegewebe entnommen, dass ich nach der Operation auf jeder Seite ein Loch bis zum Kieferknochen hatte.
Natürlich musste alles sehr ordentlich genäht werden, weshalb die halbstündige Operation dann doch eineinhalb Stunden dauerte.

Babygläschen Power!


Komplikationen
Die geplanten 2 Tage nichts essen wurden schnell auf zwei Wochen korrigiert.
In den ersten Tagen konnte ich weder reden noch essen.
Eine extra angefertigte Gaumenplatte half mir, die Wunden im Gaumen zu schonen. Das entnommene Bindegewebe an meinen Vorderzähnen wuchs nun als Zahnfleischersatz an und schmerzte ebenfalls.
Da ich nicht wirklich essen wollte und konnte, hatte ich meine Basalrate schon runtergeschraubt, trotzdem unterzuckerte ich oft. Zum Glück gibt es auch flüssige Hypohelfer!

Nach ein paar Tagen stieg ich dann auf Babygläschen und Püriertes um.
Ungelogen kann man sagen, dass ich mich einen Monat lang eher flüssig und nicht besonders ausgewogen ernähren konnte.
Gesundheitlich fühlte ich mich dadurch ziemlich schwach und die Versuche, Sport zu machen, endeten in Schwindelanfällen. Ich musste wohl oder übel einen Gang runterschalten und ausruhen.
Die ganze Situation erinnerte mich unterbewusst ziemlich an die schlimme Zeit nach meiner Diagnose, weshalb ich daran auch psychisch ziemlich zu knabbern hatte.
Alles in allem waren das nicht die besten zwei Monate meines Lebens.

Ein typisches Frühstück

Wie sieht es jetzt aus?
Tatsächlich kann ich erst seit einer Woche wieder einigermaßen normal vom Essen abbeißen. Davor musste ich alles in mundgerechte Stücke schneiden. Die Löcher im Gaumen sind glücklicherweise nicht mehr ganz so tief, allerdings immer noch gut spürbar. Das Gefühl im Gaumen kommt langsam zurück.
Leider hat sich das implantierte Zahnfleisch entzündet und ist an einigen Stellen nicht so angewachsen, wie es sollte.
Das bedeutet, dass ich die Operation wiederholen sollte(muss), allerdings ist mir die Entscheidung freigestellt.
Da es keine wirkliche Alternative gibt, werde ich das Prozedere höchstwahrscheinlich erneut über mich ergehen lassen.
Zuerst muss ich diese unerfreuliche Nachricht jedoch sacken lassen.