Mehr als nur Diabetesblogger


Als aktiver Diabetesblogger beschäftige ich mich rund um die Uhr mit meiner "Erkrankung".
Ideen für neue Artikel ziehe ich aus meinem Alltagsleben, dauernd fotografiere ich Sensor und Pumpe, um andere Diabetiker an meinem Leben als Halbroboter teilhaben zu lassen.
Selbst im Urlaub wird fleißig geknipst, schließlich möchte ich der Welt mitteilen, dass Diabetiker durchaus zu Allem in der Lage sind und selbstverständlich nicht weniger leistungsfähig, wie einige Unwissende immer noch behaupten.

Bei jedem Satz über Diabetes und bei jeder Frage zu meinen Technikrevolutionen am Körper bin ich sofort zur Stelle und kläre gerne auf.
Wann ist der Blutzucker gut, wann schlecht, was tue ich bei einer Unter- oder Überzuckerung, wie bemerkt man so etwas, wie lange trage ich Pumpe und Sensor, tut das nicht weh, gibt die Pumpe automatisch Insulin ab, musst du dann überhaupt noch was machen, wechsele ich die etwa selber oder macht das der Arzt und wie toll, dass es mittlerweile so nützliche Geräte gibt.
Irgendwann schwirrt nicht nur mir der Kopf von zu vielen Informationen.

Unter Gleichgesinnten :-)

Ich bin sehr froh darüber, dass ich mit meinem Blog und meiner offenen Art viel zur Aufklärung über Diabetes beitragen kann.
Ich liebe es, über lustige Situationen zu berichten oder mich über die nervenden Seiten des Diabetes aufzuregen und eine Plattform zu haben, auf der mir so viele verschiedene Menschen mitteilen, dass es ihnen manchmal genau so geht wie mir!
Das Gefühl, dass alle meine Hochs und Tiefs (nicht nur auf den Blutzucker bezogen) hier verstanden werden, ist mir sehr wichtig und hilft mir bei meiner Therapie.

Trotz allem brauchte ich in letzter Zeit einfach mal eine Pause von den ganzen Gedanken um Diabetes, die nicht direkt etwas mit meinem Körper und mir zu tun hatten.
Die letzten Monate waren sehr stressig für mich und Diabetes lief nur so nebenher.
Das finde ich manchmal ganz okay, solange die Blutzuckerwerte trotzdem einigermaßen gut sind.
Andererseits ärgere ich mich schon sehr darüber, dass sich mein HbA1c verschlechtert hat.
Zugegeben, 6,9% ist immer noch ein Traumwert, allerdings war es davor eine 6,1%, die ich lieber wieder anstreben möchte.

Um ehrlich zu sein weiß ich aber selbst nicht, wie ich das wieder schaffen soll, denn der Wert entstand zu einer sehr stressfreien Zeit, in der ich nicht viel erlebt habe, was den Blutzucker verrückt spielen lässt.
Mein Studentenleben scheint den Blutzuckerwerten nicht wirklich zu gefallen - keine geregelten Zeiten, generell nicht viel Zeit und spontane Aktionen.

Das größte Stück von der Torte, bitte! 

Dafür fühlt sich mein Leben jetzt deutlich besser an.
Ich lebe in einer Stadt, die ich gern mag und die nicht all zu weit von meiner Heimat entfernt ist.
Schon morgens höre ich das Kreischen der Möwe und Schiffshorne - nichts macht mich glücklicher, als nah am Meer wohnen zu können.
Ich studiere einen wahnsinnig interessanten Studiengang und habe damit anscheinend endlich etwas gefunden, was mich erfüllt.
Zwar komme ich in letzter Zeit nicht mehr so häufig zu meinen liebsten Hobbys - Schreiben und Fotografieren - aber es fühlt sich das erste Mal in meinem Leben okay an.

Dennoch fühle ich mich manchmal noch schlecht, weil ich so selten blogge und im März das letzte Mal fotografiert habe, obwohl mir so viele Ideen im Kopf herumschwirren.
Aber das sollte ich mir wohl schleunigst abgewöhnen.

Denn: ich muss mich nicht von einer Sache definieren lassen, ich bin mehr.
Mehr als nur Diabetesblogger oder Hobbyfotograf, mehr als nur ein kreativer Mensch, mehr als nur kulturell interessiert.
Ich sollte mich nicht mehr dafür entschuldigen wollen, an so vielen verschiedenen Dingen Freude zu finden, sondern einfach mein Leben genießen.

1 Kommentar

Beste Einhornfreundin
26. Juni 2016 um 19:55

Du bist toll ❤

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