Mein Antrag für das Freestyle Libre


Da sich mein Beitrag zum Thema "Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis" großer Beliebtheit erfreute, möchte ich euch diesmal meinen Antrag für die Kostenübernahme der Freestyle Libre Sensoren von Abbott vorstellen.

Leider bezahlen bisher nur wenige Kassen einen (Teil-)Betrag, über den Verlauf hat Antje bereits ausführlich berichtet.
Momentan sind es folgende Krankenkassen (entnommen aus der Freestyle Libre Gruppe bei Facebook):

Audi BKK
AXA
Barmer
BIK
BKK
DAK
DBV
Debeka
Pronova BKK
Siemens Betriebskrankenkasse
TK
UKV

Hierbei handelt es sich natürlich um Einzelfallentscheidungen.

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Ich selbst bin bei der Barmer GEK versichert und habe mich vorab informiert, welche Schreiben ich dem Antrag zufügen soll.
Fehlt etwas, wird der Antrag meist einfach stumpf abgelehnt, überprüft also vorher ganz genau, ob ihr alles parat habt.

1. Blutzuckertagebücher

Ich habe drei Monate sehr genau Tagebuch geführt - dazu gehören für mich neben den bekannten Konstanten ein Farbwechsel zwischen hohen, im Normalbereich liegenden oder niedrigen Werten sowie ein kurzer Satz zum Wohlbefinden.
Hatte ich zum Beispiel an diesem Tag eine Unterzuckerung, habe ich meine Symptome aufgelistet.

2. Das Schreiben vom Diabetologen

Die Barmer verlangt "die Bestätigung des Diabetologen, dass durch ihn die technische und medizinische Einweisung im Umgang mit dem Freestyle Libre erfolgte".
Diese Bestätigung muss folgende Punkte umfassen:

-Der Patient kennt die Definition des Gewebszuckers und den Unterschied zur bisherigen Messung.

-Der Patient kann die Trendpfeilanzeige richtig bewerten und kennt die therapeutischen Optionen bei der Insulingabe anhand des gemessenen Wertes.

-Der Patient kennt die Gefahren einer Gewebszuckermessung und misst bei Bedarf mittels einer Blutzuckermessung nach.

Außerdem muss der Diabetologe bestätigen, dass der Patient an einer Schulung für das Freestyle Libre teilgenommen hat und auch weiterhin von einer diabetologischen Schwerpunktpraxis betreut wird.

Always by my side ♥ 

3. (Optional:) Der persönliche Brief

Wie auch bei meinem Antrag zum Schwerbehindertenausweis habe ich einen persönlichen Brief beigelegt, weil ich damit gute Erfahrungen gemacht habe.
Auch hier gilt: Wer den ganzen Antrag haben möchte, darf ihn sich gerne aus meinem Dropboxordner herunterladen:
hier
Zu Inspirationszwecken folgen nun ein paar Auszüge:
(Dazu bleibt zu sagen, dass sich das Schreiben natürlich auf Extremsituationen bezieht und nicht unbedingt meinen Alltag mit Diabetes widerspiegelt.)

Punkt 1: Messungen

Im Folgenden möchte ich gern erklären, warum ich das Freestyle Libre für eine optimale Diabetestherapie benötige.

Punkt 1: Messungen

Zuallererst möchte ich auf meine täglichen Blutzuckermessungen eingehen.
Aus den mitgesendeten Tagebüchern der letzten Monate können Sie entnehmen, dass meine Blutzuckerwerte stark schwanken und ich oft mit unerklärlichen Unter- bzw. Überzuckerungen zu kämpfen habe.
Daher bin ich gezwungen, meine Blutzuckerwerte häufiger zu kontrollieren, im Schnitt messe ich zwischen 8-10x am Tag.
Dass diese Messungen sinnvoll sind, möchte ich anhand einer Auflistung verdeutlichen.

Nüchternblutzuckerwert nach dem Aufstehen
Blutzuckerwert 2 Stunden nach dem Frühstück, bzw. vor der Zwischenmahlzeit
Blutzuckerwert zum Mittagessen bzw. 2 Stunden nach der Zwischenmahlzeit
Blutzuckerwert 2 Stunden nach dem Mittagessen
Blutzuckerwert für eine Zwischenmahlzeit (gegen 16 Uhr)
Blutzuckerwert für das Abendbrot
Blutzuckerwert für einen Snack bzw. vor dem Schlafen gehen
Außerdem:
Blutzuckerwert während der sportlichen Betätigung (nach dem Ausdauertraining)
Eventueller 2. Blutzuckerwert nach dem Training
Blutzuckerwert bei Unwohlsein (zittrige Beine, taube Lippen, Bauchschmerzen) - bei einer eventuellen Unter- oder Überzuckerung.
Kontrollmessung nach einer Unterzuckerung (15min danach) bzw. bei einer Überzuckerung (1 Stunde danach)
Blutzuckerwert vor dem Auto fahren

Nur durch diese sinnvollen Messungen ist es mir möglich, meine Blutzuckerwerte in den Zielwerten zu halten.

Dies ist wichtig, da ich sehr sensibel auf Schwankungen reagiere, mehr dazu unter Punkt 2.

Gehen wir also nun davon aus, dass ich im Schnitt 8x pro Tag meinen Blutzucker messe.
Das ergibt 56 Messungen in der Woche und 224 Messungen im Monat.
Pro Quartal ergibt sich ein Bedarf von 672 Teststreifen.

Gegenüberstellung der Kosten

1.2 Gegenüberstellung der Kosten

Beim Versandhandel Diaexpert werden die Freestyle Teststreifen, die ich nutze, ab 6 Packungen für 57,89€ pro 100 Stück angeboten.
Das heißt, dass ein Teststreifen 0,5789€ kostet.
Im Monat kosten die Teststreifen also 129,67€, Im Quartal 389,02€.
Hinzu kommen noch Lanzetten für circa 10€ im Quartal.

Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 399,02€.

Das Freestyle Libre Messgerät kostet 59,90€ und hält 14 Tage.
Für einen Monat komme ich hier auf einen Preis von 119,80€, im Quartal sind das 359,40€.

Die Kostenübernahme bzw. eine anteilige Zahlung sind die kostengünstigeren Alternativen.

Natürlich muss erwähnt werden, dass ich einige Kontrollmessungen ausführe, um zu schauen, ob das Freestyle Libre nicht defekt ist und die Messungen aus dem Gewebszucker mit denen des Blutzuckers übereinstimmen.
Außerdem messe ich bei Unterzuckerungen nach, um sicherzugehen.

Weitere Argumente für das Freestyle Libre
2. Weitere Gründe für den Freestyle Libre

Leider reagiere ich sehr sensibel auf jegliche Schwankungen der Blutzuckerwerte.
Ich fühle mich bei hohen bzw. niedrigen Blutzuckerwerten oft unwohl, bekomme Bauch- oder Kopfschmerzen und fühle mich auch Stunden danach noch nicht wieder fit.
Daher versuche ich natürlich alles, damit meine Werte im Zielbereich bleiben und nehme auch zusätzliche Messungen in Kauf.
Ich schreibe alles ordentlich auf und versuche, die Basal- und Bolusinsulineinheiten anzupassen, um eine stabile Blutzuckerlage zu erreichen.

Durch den Libre ist dies natürlich viel einfacher möglicher, da auch die Tageskurven miteinander verglichen werden können und ich auch die Basalrate nachts anpassen kann, ohne jede Nacht den Blutzuckerwert zu messen.
Momentan klappen gute Werte nur, in dem ich jede Woche meine Basalrate und die Bolusfaktoren anpasse.
Das ist nervig, aber durch das Freestyle Libre weniger aufwendig als mit normalen Blutzuckermessungen.

Eine genaue Messung mit Blutzuckerteststreifen erfordert saubere, trockene und warme Finger. 
In meinem Alltag als Studentin ist dies leider nicht dauerhaft gewährleistet, da ich in den Vorlesungen, Sprachkursen etc. nicht einfach den Raum verlassen darf und sich nicht immer Sanitäranlagen in unmittelbarer Nähe befinden.


Jede der ca. 8 Blutzuckermessungen am Tag an den stellt eine Verletzung an den Fingerkuppen dar und erhöht damit das Infektionsrisiko. 
Gleichzeitig besteht dabei auch die Gefahr, dass die Sensitivität der Finger langfristig verringert wird. 

Für ein rechtssicheres Autofahren als Diabetiker muss man Blutzuckermessungen vor der Fahrt und bei längeren Fahrten alle 2 bis 3 Stunden nachweisen können. 
Dies ist aufgrund des limitierten Teststreifenkontingents nicht möglich. 
Mit dem „FreeStyle Libre" sind diese notwendigen und sinnvollen Messungen ohne zusätzliche Kosten möglich. 



Das „FreeStyle Libre" zeigt zu jeder Zeit einen Trend des Blutzuckerwertes an, so dass auch viel eher auf eine mögliche Entgleisung der Werte reagiert werden kann und Über- bzw. Unterzuckerungen häufig vermieden werden können.
Gerade bei meinen stark schwankenden Werten sind diese Trendpfeile eine große Hilfe.

Die völlig unauffällige Messung ohne zusätzliche Messutensilien verkürzt den zeitlichen Aufwand der Messung erheblich und vermindert damit die Einschränkungen durch den Diabetes erheblich.
Gerade bei Busfahrten, bei Tests und Klausuren ist diese schnelle Messung sinnvoll, ohne viel Aufsehen zu erregen.

Auch bei sportlicher Betätigung kann das „Freestyle Libre“ helfen, bessere Blutzuckerzielwerte zu erreichen.
Durch die kurze Verzögerung sieht man bereits, wann die Anstrengung auf den Körper zurückfällt und kann während des Trainings Traubenzucker zu sich nehmen, ohne wie vorher aufgrund einer Unterzuckerung das Training zu unterbrechen. 
Außerdem kann durch die Trendpfeile ein Blutzuckeranstieg nach dem Sport (bei großer Anstrengung werden spezielle Hormone ausgeschüttet, die den Blutzucker ansteigen lassen) vermieden werden.

Eine Senkung des HbA1c (Langzeitwert) durch das „FreeStyle Libre“ ist bei mir bereits eingetroffen.
Ich trage das Freestyle Libre nun schon seit November 2014 und hatte trotz Insulinpumpentherapie Schwierigkeiten, den Langzeitwert auf unter 7% zu bekommen.
Mein letzter HbA1c Wert war nun 6,1% ohne erhebliche Unterzuckerungen.
Gute Langzeitwerte zeugen von einer guten Einstellung und vermindern das Risiko von Folgeerkrankungen.
Ich fühle mich leistungsstärker und freier, seitdem ich das „Freestyle Libre“ nutze.

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Kommen wir abschließend zu meinem Antrag:
Ja, ich bekomme die Kosten für die Sensoren teilweise erstattet.

Leider ist es jedoch so, dass die Barmer den Verbrauch der Teststreifen im letzten Jahr berechnet und daraus die Summer der Teilübernahme bestimmt.
Bei mir sind das nun 23,46€ pro Sensor.

So, und nun möchte ich mich kurz aufregen:
Da ich das Libre aber schon ein Jahr trage und deshalb selbstverständlich nicht besonders viele Teststreifen verschrieben bekommen habe, bin ich darüber nicht sehr glücklich, um nicht zu sagen wütend.

Dieser Teufelskreis scheint mich zu verfolgen, leiste ich mir das Libre doch auch aus dem Grund, dass ich NIE genügend Teststreifen von meinen Diabetologen verschrieben bekommen habe.
4x täglich Messen reicht vollkommen aus, wenn es nach ihnen gehen würde.

Natürlich kann ich mich glücklich schätzen, überhaupt einen Anteil der Kosten erstattet zu bekommen, allerdings geht es mir hier auch mal wieder um das ewige Teststreifenproblem.
Ich möchte einfach das bekommen, was mir und MEINER GESUNDHEIT zusteht.
Ich weiß tatsächlich nicht mehr, was ich machen soll, ein Arztwechsel steht nicht zur Auswahl und selbstverständlich möchte ich das Libre auch nicht mehr missen.
So langsam habe ich aber all meine Ersparnisse aufgebraucht und möchte ungern auf das Geld aus meinem Nebenjob zugreifen.
Ich bin mir nicht sicher, ob man die eigene Gesundheit als ein "first world problem" bezeichnen kann.

Falls also jemand eine gute Idee hat, wie ich meinen Arzt davon überzeugen kann, dass ich mehr Teststreifen benötige, immer her damit.