5 Dinge, die passieren, wenn alle Bekannten deinen Diabetesblog lesen


Lange Zeit kannten nur meine engsten Freunde und meine Eltern meinen Blog, bis ich mich dazu entschied, ein paar Inhalte auf meinem privaten Facebookprofil zu teilen.
Aufrufe für die Aktion zum Weltdiabetestag, meinen Diabeteshelden Film oder das Bild mit unserem Ministerpräsidenten Torsten Albig zum Beispiel.

Ich hatte zugegeben ein bisschen Angst, diese Inhalte und damit den Blog zu teilen, denn ich schreibe hier über meine verwundbare Seite und zum Teil sehr persönliche Dinge.
Nachdem ich aber darüber nachdachte, wurde mir klar, dass ich auch im Alltag viel über meinen Diabetes preisgebe und gern aufkläre, wenn Bekannte danach fragen.
Ich habe kein Problem damit, dass jeder weiß, was ich durchgemacht habe, denn so kann man mich und meine Taten viel besser nachvollziehen.
Zum Beispiel mein Problem damit, in der Mitte des Hörsaals zu sitzen, das einfach noch eine kleine Nachwirkung meiner Angsterkrankung ist.

Über psychische Probleme zu reden, ist mir lange Zeit sehr schwer gefallen.
Ich habe viele Erinnerungen an diese Zeit verdrängt und ich wollte mich auch lange nicht daran erinnern, wie unglücklich ich war.
Mittlerweile tut das alles gar nicht mehr so weh, ich bin nur manchmal traurig über die Zeit, die ich verloren habe.
Zeit, die man nicht wiederholen kann.
Aber das ist okay, denn mittlerweile bin ich zufriedener als je zuvor und weiß dieses Gefühl viel besser zu schätzen.



Außerdem habe ich gemerkt, dass die Menschen um mich herum verstehen, wie es dazu kommen konnte und ich habe viele Menschen kennengelernt, die selbst mit ihrer Psyche zu kämpfen haben.
Das ist nichts, wofür man sich schämen muss.
Ich habe das Gefühl, je offener ich damit umgehe, je mehr Respekt bekomme ich zurück - und umso mehr kann ich anderen Betroffenen helfen.
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern sich ihr zu stellen.
Wenn man über seine Angst redet, dann erfährt man oft Unterstützung - und genau die ist es, die man braucht, um mutig zu werden und es zu bleiben.

Vorab möchte ich also euch allen danken - meiner Familie, meinen Freunden und euch Lesern, dafür, dass ihr mich unterstützt.
Mit Worten, mit Taten oder mit stiller Zuneigung.
Danke, dass ihr mir Mut geschenkt habt.

Ich freue mich über jedes liebe Wort, jedes aufmunternde Lächeln, über jeden Daumen hoch bei Facebook.
Manchmal bin ich überrascht, wer mich da unterstützt - es gibt Menschen, von denen ich es wirklich nicht erwartet hätte.
Danke.



Es gibt also oft Situationen, in denen ich erfahre, dass Bekannte diesen Blog lesen.
Kommilitonen, die Arbeitskollegen meiner Mutter oder Freunde von der anderen Seite der Welt (die sich den Blog übersetzen) - sind einige der exotischeren Leser.
Dabei entstehen oft Situationen wie diese Fünf:

1. "Das weiß ich doch schon von deinem Blog"

Wenn ich Freunden von meinem Wochenende in Diabetesdingen erzähle, wissen sie durch den Blog meistens schon Bescheid, bevor ich überhaupt erwähnen konnte, dass ein neuer Artikel online ist.
Manchmal ist das etwas irritierend.

2. Schreib doch mal über...

Inspirationen jeglicher Art ziehe ich nicht nur aus meinem Alltag, auch Bekannte haben oft gute Ideen.
Tatsächlich gibt es aber auch jede Menge kuriose Vorschläge, über die ich einen ganz eigenen Post verfassen könnte.
"Was ist eigentlich mit Diabetes und kiffen?"...

3. Mein Name wird gegoogelt

Natürlich kann ich sehen, über welche Suchanfragen bei Google die Menschen auf meinen Blog zugreifen.
Da gibt es ganz harmlose Dinge wie "Insulinpumpe Omnipod" oder "Angst vor Unterzuckerungen".
Im letzten halben Jahr wurde aber auch immer wieder mein voller Name gegoogelt, was mir ein bisschen Angst gemacht hat.
Bis meine Mutter mir erzählte, dass eine Freundin aus Zypern dauernd den Namen meines Blogs vergisst und dann eben über Umwege auf meine Seite gelangt.
Wenn ich also diese Klicks aus Zypern sehe, bin ich beruhigt.

4. Diabetes ist kein Zuckerschlecken

Oft witzig gemeint, kommen diese Witze bei mir leider nur an, wenn ich sie selber mache.
Denn ob ich in der Stimmung bin, mich über meinen Diabetes zu amüsieren, entscheide ich.
Leider versteht das nicht jeder und ist dann ganz enttäuscht, wenn ich nicht reagiere.
Sorry for that.

5. Wir sind so stolz!

Ich bekomme viel Lob für diesen Blog und natürlich freue ich mich wahnsinnig über solche Worte.
Manchmal weiß ich aber gar nicht, wie ich reagieren soll, denn ich freue mich eher still und leise als überschwänglich.
Meine Familie und meine Freunde wissen das, andere Bekannte nicht.
Aber glaubt mir, diese Worte sind meine Motivation, diesen Blog zu führen.
Besonders schön ist es, wenn meine Leser mir schreiben, dass sie durch meine Worte neuen Mut schöpfen konnten.
So ist es auch umgekehrt!

1 Kommentar

2. Januar 2016 um 14:48

Ich hatte irgendwie von Anfang an kein Problem das ganze auch über meinen privaten Facebookaccount zu teilen, weil ich dachte: "ließt ja eh keiner". Ich habe es deswegen auch nur ein mal geteilt, weil ich meine Freunde damit nicht nerven wollte.
Aber mir passiert es auch total oft, das Freunde, die wirklich gar nichts mit Diabetes am Hut haben mir erzählen, dass sie meinen Blog doch regelmäßig lesen. Das war mir dann schon echt unangenehm. Damit hatte ich absolut gar nicht gerechnet. Nach den ersten solcher Erlebnissen hatte ich dann tatsächlich Angst so weiter auf meinem Blog zu schreiben, wie ich es bisher tat. Das hat mich ganz schön Überwindung gekostet, weiterhin so offen zu bleiben. Aber ich dachte mir "dafür hast du den Blog doch gemacht..."
Ich finde es irgendwie total großartig, wenn Leute, die sonst nicht mit Diabetes konfrontiert werden unsere Blogs lesen. Und dann auch noch mehr über die Krankheit erfahren wollen und das total toll finden, was man macht. Ich mach das einfach... toll finde ich mich deswegen nicht und bin über Komplimente immer total überrascht.
Aber irgendwie ist es ja dann doch auch schön :)
Ich finde es auch echt bewundernswert, wie du über deine Angststörung geschrieben hast und noch schreibst. Das macht mir unheimlich Mut und ich bewundere dich :)

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