Diabetes im Gepäck - Tipps zum Reisen mit Diabetes


Eine meiner größten Leidenschaften ist das Reisen, das Entdecken neuer Orte und fremder Kulturen.
Ich liebe es, Menschen, Orte und Bräuche kennenzulernen und diese Begegnungen und Momente in mein Herz zu schließen.
Nichts prägt mehr als Reisen und es gibt nicht viel Materielles, was mich glücklicher machen kann als ein Ticket für ein Abenteuer.
Mittlerweile findet natürlich auch Diabetes Platz in meinem Gepäck und möchte berücksichtigt werden.
Das tut meiner Freude über das Reiseziel natürlich keinen Abbruch, denn so viel ist es gar nicht, auf das man achten sollte.

Bevor die Reise beginnt, muss gepackt werden.
Als Mensch mit Typ 1 Diabetes müssen nur an ein paar mehr Dinge gedacht werden.
Dafür habe ich immer eine Packliste parat, die ich euch gern zur Verfügung stelle.





Insulin, Notfallspritze, Teststreifen und Omnipods bewahre ich im Handgepäck auf, das Insulin bleibt dabei in einer Frio Kühltasche.
Mittlerweile schadet es zwar nicht mehr, all das im Koffer zu lassen – ich habe aber einfach ein besseres Gefühl dabei, alles direkt mit mir zu führen.
Verreise ich länger, habe ich natürlich auch einen Teil im Koffer, denn sonst müsste mein Handgepäck wegen Überfüllung geschlossen werden.
Manchmal beneide ich dann die Menschen, die bei langen Flugreisen nur eine Handtasche mit sich führen.
Immer mit dabei habe ich außerdem Tetrapacks mit Saft und einige Snacks, falls ich unterzuckere.



Bei Kontrollen hatte ich dabei nie Probleme, denn ich führe einen Zettel meines Diabetologen mit mir, auf dem steht, was ich mitführen darf.
Zwar stehen keine Tetrapacks mit drauf, die Flughafenmitarbeiter reagieren beim Zauberwort „Diabetes Typ 1“ aber immer sehr verständnisvoll.
Ich sage auch vor dem Abtasten bereits Bescheid, dass ich Diabetiker bin und eine Insulinpumpe sowie einen Sensor trage.
Manchmal wurde meine Pumpe dann einem Sprengstofftest unterzogen, dabei wischt der Flughafenmitarbeiter mit einem kleinen Lappen über den Omnipod, während er mir versichert, dass er das leider machen müsse und ich das Gefühl habe, das ganze Prozedere ist ihm viel unangenehmer als mir.
Da ich bis jetzt immer gute Erfahrungen gemacht habe, bin ich sehr entspannt, was diese Kontrollen angeht. Auch wenn die Mitarbeiter mein Gepäck zum dritten Mal durchleuchten – „nur zur Sicherheit“.





Wenn ich die Kontrollen hinter mir gelassen habe, geht es erst richtig los.
Auf Reisen schaffe ich es meistens, zu unterzuckern.
Ich frage mich, ob das an der positiven Aufregung liegt, denn ich bin nicht die einzige Diabetikerin, die damit zu kämpfen hat.
Im Flugzeug unterzuckern ist aber auch kein Problem, wenn man Tetrapacks und Snacks dabei hat.
Denn natürlich kann es sein, dass man gerade dann unterzuckert, wenn keine Stewardess in der Nähe ist, die einem etwas Cola an den Platz bringen könnte.
Dass die Stewardessen gerade bei solchen Situation nachsichtig sind, habe ich auf meinem Flug aus dem Auslandsjahr nach Hause erfahren.
Mitten während des Fluges musste ich meine Basaleinheiten spritzen, damals noch mit Pen in den Oberschenkel.
Da ich dies ungern in der doch eher beengten Flugzeugtoilette durchführen wollte, habe ich nachgefragt und durfte dann zum Spritzen in eine Kabine des Flugpersonals.



Hinzu kommt während des Fluges und nach der Landung oft die Zeitumstellung.
Der Körper braucht in der Regel einige Tage, um sich daran zu gewöhnen und auch die Insulindosis sollte darauf abgestimmt werden.
Auf meiner letzten Flugreise mit 9 Stunden Zeitverschiebung habe ich nicht nach Tabelle, sondern nach Gefühl gespritzt.
Das Basalinsulin habe ich nach und nach angepasst, das heißt ich habe mir einen Wecker gestellt und jeden Tag 2 Stunden später gespritzt, bis ich bei meiner „alten Zeit“ angekommen war.
In der ersten Nacht im Urlaub habe ich mir gegen 3 Uhr Nachts und 10 Uhr morgens nach der deutschen Zeit einen Wecker gestellt und meinen Blutzucker geprüft.
Tatsächlich hat der Blutzucker auf die Zeitumstellung reagiert und war zu diesen Zeitpunkten eher niedrig, daher habe ich auch für das erste Frühstück nichts gespritzt und bin gut damit gefahren.
Wer sich unsicher mit dem Bolus ist, sollte in den ersten Tagen weniger als die normale Dosis spritzen und gegebenenfalls korrigieren.
Da man sich im Urlaub ohnehin mehr bewegt, sollte das gut funktionieren.





Als Beispiel habe ich mir meine Islandrundreise ausgesucht, die mich diabetestechnisch ganz schön gefordert hat.
Um die schönsten Plätze Islands zu entdecken, reicht es eben nicht, aus dem Auto zu steigen.
Es war gar nicht so einfach, meine Angst vor längeren Wanderungen zu überwinden, die Orte und Momente, die ich so gefunden habe, waren aber alle Strapazen wert.
Oft konnte ich meine Pumpe auf -80% laufen lassen, da ich sonst unterzuckert wäre.
Vor allem nachts musste ich mir einen Wecker stellen, um meinen Blutzucker zu messen. Sicher ist sicher.
Genau so sieht auch mein Nachttisch aus.



Besonders interessant waren auch die Namen, die auf meinen Cola Light Flaschen standen.



Ein nächtliches Drama passierte nach einer sehr, sehr cremigen Nudelsoße - nicht genug, dass mir ziemlich schlecht war, hatte die Pumpe ihren Geist aufgegeben, Insulin war ausgelaufen und ließ meine Werte immer höher klettern.
Auch die nächste Pumpe (Pod) machte Probleme, die Nadel kam nicht heraus.
Erst der dritte Pod war wieder fehlerfrei.
Blöd nur, dass ich damit meine 2 Ersatzpods aufgebraucht hatte und mir noch zwei weitere Pods flöten gingen.
Die letzte Nacht auf Island musste ich mit meinem Insulinpen überbrücken.
Nun weiß ich: Lieber alles doppelt und dreifach dabeihaben!



Der Proviant für unsere Reise bestand oft aus eher abenteuerlichen Essenskreationen.
Genug Kohlenhydrate für einen hungrigen Diabetiker mussten dabei sein, gleichzeitig konnten wir auch nicht zu viel und nichts leicht Verderbliches im Kofferraum des Mietwagens transportieren.
Am Lustigsten war vermutlich das Essen von Instantnudeln, die wir mit dem kochend heißen Wasser aus dem Hotelwasserhahn zubereiteten.
Rundreisen machen kreativ!

Besonders lecker ist übrigens das isländische Schwarzbrot (Rúgbrauð), es ist relativ weich und schmeckt leicht würzig und süß nach Spekulatius.



Ab und zu gab es natürlich auch Essen im Restaurant: Hier im Gló, ein veganes Restaurant in Reykjavik.
Die vegane Lasagne und 2 verschiedene Salate waren wirklich lecker!





Lasst euch bloß nicht von den Diabetesmonstern auf eurer Reise unterkriegen - mit ein bisschen Vorbereitung wird jede noch so abenteuerliche Reise zu einem tollen Erlebnis - auch mit dem Diabetes im Gepäck.

2 Kommentare

Anonym
9. August 2015 um 07:26

Danke für den tollen Beitrag und die schönen Bilder. Das mit den Equipment in 2-3facher Ausführung kann ich nur unterstreichen. Bisher hatte ich immer die doppelte Menge dabei. Nachdem es im letzten Urlaub etwas knapp wurde, nehme ich künftig Faktor drei.

5. Februar 2017 um 04:54

Lea ich finde deinen Beitrag einfach super. Reisen mit Diabetes ist so anstrengend und deine Tips halte ich für eine so gut gelungene Hilfestellung, dass ich diesen Beitrag meinen Freunden und Verwandten weiterempfehlen werde. Vielen Dank für und beste Grüße! Markus

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