Die schöne Kurve und das Diabetesbiest - meine Diabeteslaster


Kurz nach der Diagnose hält man sich meist noch strikt an die Vorgaben des Arztes und tastet sich langsam an einen Alltag mit Diabetes heran.
Mit der Zeit entwickelt sich nicht nur die Fähigkeit, die KEs mit dem bloßen Auge zu schätzen, es ziehen auch einige Angewohnheiten ein, die uns unser Diabetesmanagement erleichtern.

Seit ich wieder Blutzuckertagebücher in ganz altmodischer Form führe, sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die ich beachte, damit meine Blutzuckerwerte nicht aus der Reihe tanzen.
Denn logischerweise fühle ich mich immer dann am Besten, wenn das FGM keine großen Kurven, sondern eine Linie im Zielbereich aufweist.
Dass das gar nicht immer so einfach zu erreichen ist, habe ich bereits in meinem letzten Beitrag erwähnt.

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Wenn ich Blutzuckerwerte über 200mg/dl messe, dann merke ich meist schon an Symptomen wie Bauch- oder Kopfschmerzen, das mein Wert in ungesunde Höhen steigt.
Oft ertappe ich mich dabei, dass ich mehr Korrektureinheiten abgebe, als nötig, nur damit der Blutzucker sinkt und es mir schneller wieder besser geht.
Oder dass ich ungeduldig alle halbe Stunde nachmesse, um zu sehen, ob der Blutzuckerwert sich wieder in den Normbereich bewegt.
Ich weiß, dass das vermutlich nicht die beste Lösung ist, aber ich bin sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die manchmal gegen ihre Therapie rebelliert.
Dafür korrigiere ich auch erst bei Werten ab 180mg/dl und nicht wie vorgeschrieben ab 140mg/dl, denn dazu schwanken meine Werte zu sehr.

Bei Unterzuckerungen habe ich auch so meine Probleme mit der Disziplin, ich würde am Liebsten jedes greifbare Lebensmittel in meinem Umkreis verschlingen und muss mich wirklich zusammenreißen, damit aus der Hypo heraus keine Überzuckerung entsteht.
Mittlerweile bin ich darin ganz gut geworden und immer stolz, wenn sich der Wert dann um die 130mg/dl einpendelt.

Seit ein paar Monaten halte ich zum Frühstück außerdem einen halbstündigen Spritz-Ess-Abstand, kurz SEA, ein.
Mit der Zeit habe ich gelerent, dass ich trotzdem zu 25% verzögert bolen sollte und keinen SEA einhalten muss, wenn mein Nüchternblutzucker unter 100mg/dl liegt, da ich sonst schnell unterzuckere.
Bis ich diese Kombination herausgefunden habe, hat es aber auch eine Weile gebraucht.
Wenn man da nicht jeden Tag die Werte analysiert, kann das nicht klappen.

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Neben all der Disziplin, die ich für gute Werte anwenden muss, finde ich es ganz schön, dass ich meinem Bauchgefühl vertrauen kann.
Ich merke mittlerweile sogar, wenn der Blutzucker (zu) schnell fällt und esse oder trinke oft schon etwas, bevor ich unterzuckere - so komme ich auf eine bessere Linie, als wenn ich meinem Gefühl nicht vertrauen würde.
Bei manchen verwirrenden Einträgen in meinem Blutzuckertagebuch kann ich also nur "nach Gefühl" schreiben, was sich leider als problematisch darstellt.
Denn vor allem der MDK hat noch nicht so ganz verstanden, dass Menschen mit Diabetes die wahren Experten ihrer Körper sind.

Weiterhin ist mir aufgefallen, dass ich sehr oft gleiche Zahlen in mein Tagebuch schreiben kann - anscheinend hat mein Körper so seine Lieblingswerte.
Aufgefallen sind mir die 111, 136, 148 und die nicht ganz so schöne 216.
Merkwürdig oder?

Mein letzter HbA1c lag zwar bei 6,5%, trotzdem waren meine Blutzuckerwerte seit dem Ende meiner Remissionsphase vor gut einem Jahr lange chaotisch und stark schwankend. Bis jetzt.
Seit einer Woche bin ich endlich überwiegend im Zielbereich und das Diabetesbiest hat sich in ein schnurrendes Kätzchen verwandelt.
Auch blöde Phasen meistern gehört zum Diabetesmanagement einfach dazu.

Kennt ihr solche Gewohnheiten auch oder habt ihr noch ganz Andere auf Lager?
Dann hinterlasst mir doch ein Kommentar, ich würde mich freuen, von euch zu hören.

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