Mein Diabetes Leben in Monaten: April und Mai #T1DIG


Herzlich Willkommen zu einer neuen Kategorie auf dem Blog! Wer auf Instagram unterwegs ist, findet mich dort unter @insulea.de
In meinen Storys und in der Gallerie findet ihr dort Bilder und Videos aus meinem alltäglichen Leben mit Typ 1 Diabetes. Da jedoch nicht jeder Mensch mit Diabetes auch automatisch Instagram besitzt, dachte ich, dass es nett ist, wenn ich ausgewählte Bilder auf dem Blog veröffentliche und über die Situationen schreibe, in denen sie entstanden sind.
Unter dem Hashtag/Label #T1DIG (Typ 1 Diabetes InstaGram) findet ihr ab sofort mein Leben mit Diabetes visualisiert.


Ende April war es endlich warm genug, um den neuen Badeanzug und den Sensor am Strand zu präsentieren!


Außerdem habe ich Ende April wieder von Fiasp auf NovoRapid gewechselt.


Meine Einhorn Hülle für den Omnipod hat nicht nur mich, sondern auch die Instagram Follower begeistert! Wie findet ihr die Hülle?


Im Mai war ich morgens in der Schwimmhalle und habe ein paar Runden gedreht. Für manche mag das nicht besonders klingen, aber es war eine große Hürde, die ich dort überwunden habe! Ich hatte jahrelang Angst vor tiefem Wasser und nach der Angsterkrankung habe ich mich erst recht nicht mehr getraut, zu schwimmen.
Es hat jedoch alles gut geklappt und ich fand es super! Schwimmen könnte mein neuer Sport werden.


In der zweiten Maiwoche fanden die Special Olympics für Menschen mit mehrfacher und/oder geistiger Behinderungen in Kiel statt. Ich durfte für das Redaktionsteam der Special Olympics den Instagramaccount betreuen und war die Woche auf verschiedenen Sportwettkämpfen unterwegs, um tolle Momente einzufangen. Die Begeisterung und Freude, die mir in dieser Woche begegnet ist, haben mich wirklich erfüllt! Mein Highlight war die liebe Moni, die ich beim Judo getroffen habe. Sie ist an dem Tag 4. im Judo geworden und hat außerdem ihren 64. Geburtstag gefeiert. Sie hat mir erzählt, dass sie bereits seit 30 Jahren trainiert und Judo sie "einfach glücklich" mache. Solche Begegnungen machen auch mich einfach froh und ich bin dankbar, ein Teil von dieser Bewegung gewesen sein zu dürfen!

Blutzucker-Achterbahnfahrt im April


Der April war für mich in Sachen Diabetes Management kein leichter Monat.
Meine Blutzuckerwerte sind nun nach fast siebenjähriger Erfahrung richtige Achterbahn-Junkies geworden. Ein oder Zwei Mal im Monat ist es auch erträglich, wenn sie ausreißen und zusammen mit dem Diabetesmonster einen imaginären Freizeitpark besuchen. Im April allerdings war ihnen meine Anwesenheitspflicht in der Uni völlig egal und ehe ich mich versah, saß ich selbst in der Achterbahn.
Solche Gedanken formen sich also in meinem Kopf, wenn ich dauerhaft unterzuckert bin und vermutlich einige Gehirnzellen daran abtreten musste. Interessant.


Spaß beiseite - ihr könnt euch sicher vorstellen, wie unglaublich anstrengend ein Monat ist, in dem jeden Tag etwas anderes an Basalrate, Faktoren oder den Umwelteinflüssen nicht stimmen mochte und damit meine Blutzuckerwerte zum Ausrasten brachte. Vermutlich lag es auch daran, dass endlich warmes Wetter eingezogen war und ich zu der Zeit wieder aufgenommen habe, regelmäßig zum Sport zu gehen.
Dennoch sind ein paar unerklärliche Dinge passiert. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die Tage um den 18. April.
Alles fing damit an, dass ich am Tag zuvor nach einer Unterzuckerung über den Zielwert hinausschoß und zwei Stunden in den 300er Werten festhing. Tatsächlich war kein Wutbolus (aus Wut zu viel Korrektur auf einmal abgeben) im Spiel, als mein Blutzucker innerhalb einer halben Stunde von 260mg/dL auf 70mg/dL fiel. Danach fing es dann an. Ich konnte alles Mögliche an süßen Getränken, Traubenzucker, Brot und Keksen in mich hineinstopfen und trotzdem schaffte ich es die ganze Nacht nicht wirklich, aus den roten (Sensor-)Zahlen zu kommen.
Leider musste ich am nächsten Morgen früh zur Uni. Für das Frühstück gab ich nur eine winzige Menge an Insulin ab. Dennoch unterzuckerte ich schon auf dem Weg zur Uni erneut und auch während des Seminars musste eine Cola daran glauben.
Ich fühlte mich zittrig, benommen und konnte mich kaum konzentrieren, wollte aber unbedingt in der Uni bleiben, da ich sonst das Gefühl gehabt hätte, Diabetes gewinnen zu lassen.

Doch waren meine Hypohelfer nach 1,5 Stunden Seminar aufgebraucht und ich entschied mich schweren Herzens dazu, nach Hause zu fahren, da es mir auch körperlich nicht gut genug ging, um weiterhin den Ausführungen des Dozenten zu folgen.
Zuhause angekommen aß ich Nudeln, ohne Insulin abzugeben, trank Cola und stellte meine Basalrate auf -100%. Nachdem dies nach einer Stunde immer noch nichts gebracht hatte, rief ich meinen Diabetologen an. Tatsächlich war auch er mit seinem Latein am Ende. Wir beschlossen, das Ganze noch etwas zu beobachten.
Nach 3 Stunden OHNE Basal- oder sonstigem Insulin, noch einem Malzbier und Keksen wurde es dann endlich besser. Ich glaube, ich habe mich noch nie so gerädert gefühlt wie an diesem Tag. Leider waren auch die nächsten Morgen nicht besser. Ich denke, das Geld, welches ich in den Cola-Automat meines Uni-Gebäudes im April gesteckt habe, hat die Uni endlich reich werden lassen. Mein erster Weg für knapp einen Monat war der allmorgendliche Gang zum roten Automaten mit dem weißen Schriftzug. Da kann man sich echt Besseres vorstellen. Meine Kommilitonen sind sicherlich der Meinung, dass ich süchtig nach Cola bin. Ich kann es ihnen nicht verdenken!

Wie sagt das Sprichwort so schön? Der April macht, was er will. Der Mai war insofern meine Rettung. Die Werte haben sich auf mysteriöse Art und Weise wieder eingependelt. Manchmal muss man eben auch solche Phasen mitmachen.
Was sagt ihr? Habt ihr auch mal total chaotische Phasen und keinen blassen Schimmer, was ihr falsch gemacht haben könntet?
Ich freue mich auf eure Stories!

Hypoangst - wie ich die Angst vor Unterzuckerungen besiegt habe


Wer meinen Blog schon länger verfolgt, der weiß, dass ich nach der Diagnose lange Zeit mit einer Angststörung und daraus resultierenden Panikattacken kämpfen musste. Diese wurden zwar nicht durch die Diabetesdiagnose an sich, sondern durch die anfängliche falsche Behandlung ausgelöst, jedoch wirkte sich die Angsterkrankung natürlich auch auf meinen Diabetes aus.

Die Angstserkrankung machte mir vor allem zu schaffen, da ich in den Momenten der Panikattacken keine Kontrolle über meinen Körper hatte und nur durch jahrelange Konfrontationstherapie geschafft habe, diese Kontrolle wiederzugewinnen.
Dieses Bedürfnis nach Kontrolle hat sich auch auf mein Diabetes Management ausgewirkt.
Da ich relativ lang in der Honeymoon-Phase meines Diabetes steckte, hatte ich teilweise sehr chaotische Werte und war auch oft unterzuckert. Diese Unterzuckerungen lösten in mir zusätzliche Panik aus, da ich Angst davor hatte, umzukippen und die Symptome einer Unterzuckerung an die meiner Panikattacken erinnerten. Ich konnte also nur schwer unterscheiden, ob das zittrige Gefühl, die wackeligen Knie und der Schwindel von einer anrollenden Panikattacke oder niedrigen Blutzuckerwerten kam.
Diese sogenannte Hypoangst verfolgte mich und ich hielt meine Blutzuckerwerte gern über 140 mg/dL, damit ich nicht in eine Hypo rutschte. Schon bei Werten unter 100 mg/dL wurde ich panisch und aß etwas. Daraus resultierte, dass ich oft auch Werte über 200 mg/dL hatte, die ich jedoch auch nicht gern korrigierte, weil ich nicht zu niedrig rauskommen wollte. Zusätzlich testete ich meinen Blutzucker ungefähr jede Stunde und kam bis auf 24 Messungen pro Tag.
Dass das nicht so weitergehen konnte, war klar.
Allerdings war meine erste Priorität, die Angsterkrankung und die Panikattacken im Kern zu bekämpfen, die Diabetestherapie kam daher erst an zweiter Stelle, auch weil mein HbA1c Wert durch die Honeymoon-Phase dennoch nie über 7,2% stieg und meine Blutzuckerwerte auch selten die 250er Marke knackten.



Nachdem ich nach drei Jahren Konfrontationstherapie meine Panikattacken zwar nicht losgeworden war, diese jedoch kontrollieren konnte, wurde es Zeit, sich um andere Dinge auf meiner Prioritätenliste zu kümmern. Zwar hatte ich vorher schon versucht, weniger zu messen und meine Werte niedriger zu halten, aber es wollte sich kein richtiger Erfolg einstellen.

Besser wurde es erst, nachdem ich 2014 zu den ersten Menschen gehörte, die das Freestyle Libre als Selbstzahler nutzen konnten.
Eine bessere Übersicht über den Verlauf meiner Werte half mir, einen Teil meiner Angst zu verlieren. Ich wusste nun ganz genau, wie mein Blutzucker auf bestimmte Situationen wie Sport und Nahrungsmittel reagierte und konnte sehen, wann sich der Blutzucker in niedrige Gefilde bewegte. Ich denke, es ist vor allem wichtig, sich sehr genau mit den Blutzuckerwerten und dem eigenen Körper auseinanderzusetzen, um neue Sicherheit in der Therapie zu gewinnen.
Die psychische Komponente lässt sich nicht durch Logik allein besiegen, das ist klar. Aber ich konnte so schnell nachschauen, ob mit den Blutzuckerwerten alles in Ordnung ist und mir damit selbst Mut machen.
Langsam wurde ich mir auch meines Körpergefühls sicherer. Ich wusste nun genau, welche Symptome einer Unter- oder Überzuckerung zuzuordnen waren. Außerdem konnte ich nun auch spüren, wann der Blutzucker zu schnell sinkt und dementsprechend reagieren.

Eine weitere Konfrontationstherapie gab es noch umsonst dazu - immer dann, wenn ich wirklich unterzuckerte.
Ich denke, niemand mag dieses Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man stark unterzuckert ist. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich kann nun diese unangenehmen 10-15 Minuten aussitzen, ohne in Panik zu verfallen. Das hat zugegeben um die 5 Jahre gedauert und viel Energie gekostet, aber wichtiger ist doch, dass ich es geschafft habe und nun frei von diesen Ängsten bin.
Es gibt (leider) keine Schritt für Schritt Anleitung oder 5 gute Tipps von mir, um eine solche Angst zu besiegen. Mir hat die Konfrontationstherapie und ein Sensor bzw. angelesenes Diabetes Knowledge geholfen und dazu natürlich eine große Portion Willenskraft und Disziplin.

Hast auch du Angst vor Hypos oder anderen Aspekten deines Diabetes? Schreib mir gern und berichte mir davon!
Denke immer daran: Du bist nicht allein!