Mein Antrag für das Freestyle Libre


Da sich mein Beitrag zum Thema "Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis" großer Beliebtheit erfreute, möchte ich euch diesmal meinen Antrag für die Kostenübernahme der Freestyle Libre Sensoren von Abbott vorstellen.

Leider bezahlen bisher nur wenige Kassen einen (Teil-)Betrag, über den Verlauf hat Antje bereits ausführlich berichtet.
Momentan sind es folgende Krankenkassen (entnommen aus der Freestyle Libre Gruppe bei Facebook):

Audi BKK
AXA
Barmer
BIK
BKK
(DAK)
DBV
Debeka
Pronova BKK
Siemens Betriebskrankenkasse
UKV

Hierbei handelt es sich natürlich um Einzelfallentscheidungen.

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Ich selbst bin bei der Barmer GEK versichert und habe mich vorab informiert, welche Schreiben ich dem Antrag zufügen soll.
Fehlt etwas, wird der Antrag meist einfach stumpf abgelehnt, überprüft also vorher ganz genau, ob ihr alles parat habt.

1. Blutzuckertagebücher

Ich habe drei Monate sehr genau Tagebuch geführt - dazu gehören für mich neben den bekannten Konstanten ein Farbwechsel zwischen hohen, im Normalbereich liegenden oder niedrigen Werten sowie ein kurzer Satz zum Wohlbefinden.
Hatte ich zum Beispiel an diesem Tag eine Unterzuckerung, habe ich meine Symptome aufgelistet.

2. Das Schreiben vom Diabetologen

Die Barmer verlangt "die Bestätigung des Diabetologen, dass durch ihn die technische und medizinische Einweisung im Umgang mit dem Freestyle Libre erfolgte".
Diese Bestätigung muss folgende Punkte umfassen:

-Der Patient kennt die Definition des Gewebszuckers und den Unterschied zur bisherigen Messung.

-Der Patient kann die Trendpfeilanzeige richtig bewerten und kennt die therapeutischen Optionen bei der Insulingabe anhand des gemessenen Wertes.

-Der Patient kennt die Gefahren einer Gewebszuckermessung und misst bei Bedarf mittels einer Blutzuckermessung nach.

Außerdem muss der Diabetologe bestätigen, dass der Patient an einer Schulung für das Freestyle Libre teilgenommen hat und auch weiterhin von einer diabetologischen Schwerpunktpraxis betreut wird.

Always by my side ♥ 

3. (Optional:) Der persönliche Brief

Wie auch bei meinem Antrag zum Schwerbehindertenausweis habe ich einen persönlichen Brief beigelegt, weil ich damit gute Erfahrungen gemacht habe.
Auch hier gilt: Wer den ganzen Antrag haben möchte, darf sich bei mir melden, ich stelle den Antrag gern zur Verfügung.
Zu Inspirationszwecken folgen nun ein paar Auszüge:
(Dazu bleibt zu sagen, dass sich das Schreiben natürlich auf Extremsituationen bezieht und nicht unbedingt meinen Alltag mit Diabetes widerspiegelt.)

Punkt 1: Messungen

Im Folgenden möchte ich gern erklären, warum ich das Freestyle Libre für eine optimale Diabetestherapie benötige.

Punkt 1: Messungen

Zuallererst möchte ich auf meine täglichen Blutzuckermessungen eingehen.
Aus den mitgesendeten Tagebüchern der letzten Monate können Sie entnehmen, dass meine Blutzuckerwerte stark schwanken und ich oft mit unerklärlichen Unter- bzw. Überzuckerungen zu kämpfen habe.
Daher bin ich gezwungen, meine Blutzuckerwerte häufiger zu kontrollieren, im Schnitt messe ich zwischen 8-10x am Tag.
Dass diese Messungen sinnvoll sind, möchte ich anhand einer Auflistung verdeutlichen.

Nüchternblutzuckerwert nach dem Aufstehen
Blutzuckerwert 2 Stunden nach dem Frühstück, bzw. vor der Zwischenmahlzeit
Blutzuckerwert zum Mittagessen bzw. 2 Stunden nach der Zwischenmahlzeit
Blutzuckerwert 2 Stunden nach dem Mittagessen
Blutzuckerwert für eine Zwischenmahlzeit (gegen 16 Uhr)
Blutzuckerwert für das Abendbrot
Blutzuckerwert für einen Snack bzw. vor dem Schlafen gehen
Außerdem:
Blutzuckerwert während der sportlichen Betätigung (nach dem Ausdauertraining)
Eventueller 2. Blutzuckerwert nach dem Training
Blutzuckerwert bei Unwohlsein (zittrige Beine, taube Lippen, Bauchschmerzen) - bei einer eventuellen Unter- oder Überzuckerung.
Kontrollmessung nach einer Unterzuckerung (15min danach) bzw. bei einer Überzuckerung (1 Stunde danach)
Blutzuckerwert vor dem Auto fahren

Nur durch diese sinnvollen Messungen ist es mir möglich, meine Blutzuckerwerte in den Zielwerten zu halten.

Dies ist wichtig, da ich sehr sensibel auf Schwankungen reagiere, mehr dazu unter Punkt 2.

Gehen wir also nun davon aus, dass ich im Schnitt 8x pro Tag meinen Blutzucker messe.
Das ergibt 56 Messungen in der Woche und 224 Messungen im Monat.
Pro Quartal ergibt sich ein Bedarf von 672 Teststreifen.

Gegenüberstellung der Kosten

1.2 Gegenüberstellung der Kosten

Beim Versandhandel Diaexpert werden die Freestyle Teststreifen, die ich nutze, ab 6 Packungen für 57,89€ pro 100 Stück angeboten.
Das heißt, dass ein Teststreifen 0,5789€ kostet.
Im Monat kosten die Teststreifen also 129,67€, Im Quartal 389,02€.
Hinzu kommen noch Lanzetten für circa 10€ im Quartal.

Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 399,02€.

Das Freestyle Libre Messgerät kostet 59,90€ und hält 14 Tage.
Für einen Monat komme ich hier auf einen Preis von 119,80€, im Quartal sind das 359,40€.

Die Kostenübernahme bzw. eine anteilige Zahlung sind die kostengünstigeren Alternativen.

Natürlich muss erwähnt werden, dass ich einige Kontrollmessungen ausführe, um zu schauen, ob das Freestyle Libre nicht defekt ist und die Messungen aus dem Gewebszucker mit denen des Blutzuckers übereinstimmen.
Außerdem messe ich bei Unterzuckerungen nach, um sicherzugehen.

Weitere Argumente für das Freestyle Libre
2. Weitere Gründe für den Freestyle Libre

Leider reagiere ich sehr sensibel auf jegliche Schwankungen der Blutzuckerwerte.
Ich fühle mich bei hohen bzw. niedrigen Blutzuckerwerten oft unwohl, bekomme Bauch- oder Kopfschmerzen und fühle mich auch Stunden danach noch nicht wieder fit.
Daher versuche ich natürlich alles, damit meine Werte im Zielbereich bleiben und nehme auch zusätzliche Messungen in Kauf.
Ich schreibe alles ordentlich auf und versuche, die Basal- und Bolusinsulineinheiten anzupassen, um eine stabile Blutzuckerlage zu erreichen.

Durch den Libre ist dies natürlich viel einfacher möglicher, da auch die Tageskurven miteinander verglichen werden können und ich auch die Basalrate nachts anpassen kann, ohne jede Nacht den Blutzuckerwert zu messen.
Momentan klappen gute Werte nur, in dem ich jede Woche meine Basalrate und die Bolusfaktoren anpasse.
Das ist nervig, aber durch das Freestyle Libre weniger aufwendig als mit normalen Blutzuckermessungen.

Eine genaue Messung mit Blutzuckerteststreifen erfordert saubere, trockene und warme Finger. 
In meinem Alltag als Studentin ist dies leider nicht dauerhaft gewährleistet, da ich in den Vorlesungen, Sprachkursen etc. nicht einfach den Raum verlassen darf und sich nicht immer Sanitäranlagen in unmittelbarer Nähe befinden.


Jede der ca. 8 Blutzuckermessungen am Tag an den stellt eine Verletzung an den Fingerkuppen dar und erhöht damit das Infektionsrisiko. 
Gleichzeitig besteht dabei auch die Gefahr, dass die Sensitivität der Finger langfristig verringert wird. 

Für ein rechtssicheres Autofahren als Diabetiker muss man Blutzuckermessungen vor der Fahrt und bei längeren Fahrten alle 2 bis 3 Stunden nachweisen können. 
Dies ist aufgrund des limitierten Teststreifenkontingents nicht möglich. 
Mit dem „FreeStyle Libre" sind diese notwendigen und sinnvollen Messungen ohne zusätzliche Kosten möglich. 



Das „FreeStyle Libre" zeigt zu jeder Zeit einen Trend des Blutzuckerwertes an, so dass auch viel eher auf eine mögliche Entgleisung der Werte reagiert werden kann und Über- bzw. Unterzuckerungen häufig vermieden werden können.
Gerade bei meinen stark schwankenden Werten sind diese Trendpfeile eine große Hilfe.

Die völlig unauffällige Messung ohne zusätzliche Messutensilien verkürzt den zeitlichen Aufwand der Messung erheblich und vermindert damit die Einschränkungen durch den Diabetes erheblich.
Gerade bei Busfahrten, bei Tests und Klausuren ist diese schnelle Messung sinnvoll, ohne viel Aufsehen zu erregen.

Auch bei sportlicher Betätigung kann das „Freestyle Libre“ helfen, bessere Blutzuckerzielwerte zu erreichen.
Durch die kurze Verzögerung sieht man bereits, wann die Anstrengung auf den Körper zurückfällt und kann während des Trainings Traubenzucker zu sich nehmen, ohne wie vorher aufgrund einer Unterzuckerung das Training zu unterbrechen. 
Außerdem kann durch die Trendpfeile ein Blutzuckeranstieg nach dem Sport (bei großer Anstrengung werden spezielle Hormone ausgeschüttet, die den Blutzucker ansteigen lassen) vermieden werden.

Eine Senkung des HbA1c (Langzeitwert) durch das „FreeStyle Libre“ ist bei mir bereits eingetroffen.
Ich trage das Freestyle Libre nun schon seit November 2014 und hatte trotz Insulinpumpentherapie Schwierigkeiten, den Langzeitwert auf unter 7% zu bekommen.
Mein letzter HbA1c Wert war nun 6,1% ohne erhebliche Unterzuckerungen.
Gute Langzeitwerte zeugen von einer guten Einstellung und vermindern das Risiko von Folgeerkrankungen.
Ich fühle mich leistungsstärker und freier, seitdem ich das „Freestyle Libre“ nutze.

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Kommen wir abschließend zu meinem Antrag:
Ja, ich bekomme die Kosten für die Sensoren teilweise erstattet.

Leider ist es jedoch so, dass die Barmer den Verbrauch der Teststreifen im letzten Jahr berechnet und daraus die Summer der Teilübernahme bestimmt.
Bei mir sind das nun 23,46€ pro Sensor.

So, und nun möchte ich mich kurz aufregen:
Da ich das Libre aber schon ein Jahr trage und deshalb selbstverständlich nicht besonders viele Teststreifen verschrieben bekommen habe, bin ich darüber nicht sehr glücklich, um nicht zu sagen wütend.

Dieser Teufelskreis scheint mich zu verfolgen, leiste ich mir das Libre doch auch aus dem Grund, dass ich NIE genügend Teststreifen von meinen Diabetologen verschrieben bekommen habe.
4x täglich Messen reicht vollkommen aus, wenn es nach ihnen gehen würde.

Natürlich kann ich mich glücklich schätzen, überhaupt einen Anteil der Kosten erstattet zu bekommen, allerdings geht es mir hier auch mal wieder um das ewige Teststreifenproblem.
Ich möchte einfach das bekommen, was mir und MEINER GESUNDHEIT zusteht.
Ich weiß tatsächlich nicht mehr, was ich machen soll, ein Arztwechsel steht nicht zur Auswahl und selbstverständlich möchte ich das Libre auch nicht mehr missen.
So langsam habe ich aber all meine Ersparnisse aufgebraucht und möchte ungern auf das Geld aus meinem Nebenjob zugreifen.
Ich bin mir nicht sicher, ob man die eigene Gesundheit als ein "first world problem" bezeichnen kann.

Falls also jemand eine gute Idee hat, wie ich meinen Arzt davon überzeugen kann, dass ich mehr Teststreifen benötige, immer her damit.

Die 16 besten Instagram Accounts über Diabetes


Neben dem Lesen von inspirierenden Diabetes Blogs ist Instagram mein liebstes Medium, um täglich ein bisschen Motivation für meine Diabetestherapie zu sammeln.
Unter den Nutzern findet man viele Menschen, die ähnliche Interessen haben und mit denen man sich verbunden fühlt - und sei es nur durch den Hashtag #Type1Diabetes.

Plötzlich blinken tausende Fotos von Blutzuckermessgeräten, Kathetern und Sensoren auf, gemischt mit dem ein oder anderen Motivationsspruch, leckerem Essen oder Diabetes Cartoons.

Gerade hier, in einer visuellen Community, merke ich schnell, dass ich nicht allein bin und lerne außerdem Diabetiker aus der ganzen Welt kennen.
Neuseeland, Bahrain, Irland, Niederlande - wir sind so verschieden und fühlen im Bezug auf den Diabetes dennoch dasselbe.
Nervige hohe Werte oder die Freude über den guten HbA1c - alles wird miteinander geteilt, obwohl uns zum Teil tausende Kilometer trennen.

Wenn ihr noch nicht bei Instagram seid oder es bisher versäumt habt, nach Hashtags zu gucken, möchte ich euch diese Community wirklich ans Herz legen!
Damit ihr nicht allzu lange suchen müsst, stelle ich euch heute meine liebsten Instagram Accounts über Diabetes vor.




Den Anfang macht Simone, eine niederländische Weltenbummlerin, die ihren Blutzucker öfter mal am Strand misst.




Belle hat seit 2 Jahren Diabetes und ernährt sich außerdem vegan.



Rachels sportliche Fotos sind super motivierend und da sie in Melbourne wohnt, kommt die Motivation durch die Zeitverschiebung meistens morgens bei mir an. Perfekt für einen guten Start in den Tag!



Delaney sammelt Spenden für Diabetesprojekte, in dem sie Wein(!) verkauft - und nebenbei gibt es noch schöne Bilder aus ihrem Diabetesalltag.


Ein von Paloma🌸 (@glitter.glucose) gepostetes Foto am


Paloma ist die Stylingqueen für Diabetes Accessoires!

Ein von 🎀 Ⓐⓝⓝⓐ (@typeoneanna) gepostetes Foto am


Anna nimmt uns überall hin mit - genau wie Pumpe und Messgerät.


Ein von Irene (@fitwithdiabetes) gepostetes Foto am


Irenes Username sagt schon alles: #fitwithdiabetes


Auch einige Blogger haben sich bei Instagram verirrt:




Anna postet die leckersten veganen Rezepte!



Vermutlich kennt ihr Lisas Instagram bereits - wenn nicht, wird es langsam Zeit!

Ein von crawfish77 (@crawfish77) gepostetes Foto am


Bei Ilka gibt es außerdem wunderschöne Bilder vom Meer, die nicht nur jedes Nordlicht in Sehnsucht versetzen.

Nicht Jeder postet auf der Social Media Plattform über Diabetes - aber ich finde es trotzdem schön, in den Alltag eines Menschen mit Diabetes zu schauen und immer wieder zu sehen, dass mit Diabetes eben alles möglich ist!











Ein von Emilie Bro Lindhardt (@emilielindhardt) gepostetes Foto am





(Mich findet ihr natürlich auch auf Instagram, allerdings poste auch ich eher selten über Diabetes.)


Ich hoffe, diese kleine Auflistung hat euch gefallen.
Falls ihr noch weitere tolle Accounts kennt, würde ich mich über eine Empfehlung freuen! :-)


Hilfreiche Tipps für den Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis


Früher oder später wird jeder Diabetiker mit dem Thema "Schwerbehindertenausweis" konfrontiert - sei es vom Diabetologen, von anderen Diabetikern oder der Familie.
Allgemeine Infos über die Beantragung findet ihr hier.

Normalerweise läuft die Einstufung auf einen Grad der Behinderung von 50 hinaus, wenn folgende Komponenten gegeben sind:

Menschen mit Diabetes, die eine Insulintherapie mit mindestens vier Injektionen am Tag durchführen und durch erhebliche Einschnitte gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt sind, erhalten einen GDB von 50.
Die Insulindosis passen die Patienten je nach Blutzucker, Bewegung, Ernährung selbständig an.
Die Blutzuckermessungen und Insulindosen müssen dokumentiert sein.



Häufig ist es aber so, dass man erst einmal mit einem GDB von 40 abgespeist wird, so ist das auch mir passiert.
Nach zwei(!) Widersprüchen habe ich nun endlich meinen Schwerbehindertenausweis erhalten und möchte bei der Gelegenheit ein paar Tipps weitergeben, die mir geholfen haben.

1. Schreibt Tagebuch!

Am Wichtigsten sind leider wie immer die gut geführten Tagebücher.
Auch wenn es mittlerweile Software gibt, die Messgerät und Co. einlesen kann, habe ich das Gefühl, dass Krankenkassen immer noch das Papierformat bevorzugen.
Hier kann man auch besser zeigen, dass man jeden Tag viel Zeit für sein Diabetes Management anwendet.
Ich benutze für schlechte Werte beispielsweise einen Rotstift und habe unter jeden dieser Werte geschrieben, wie ich mich zu dem Zeitpunkt fühlte.
Bei Werten über 230mg/dL steht dort Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme.
Bei Unterzuckerungen Zittrigkeit, Benommenheit oder Schwächegefühl.

Außerdem trage ich ein, wenn ich Sport mache oder feiern war, so dass die Werte zu dem Zeitpunkt besser nachvollziehbar sind.

Abgerundet wird das Ganze durch die Eselsohren oder gelegentliche Blutflecken - schließlich trägt man ja immer brav direkt nach dem Messen die Blutzuckerwerte ein, nicht wahr? ;-)

2. Persönliches ist hilfreich!

Den gewünschten Papieren habe ich einen persönlichen Brief beigelegt, in dem ich beschreibe, in welchen Situationen ich mich durch den Diabetes in meinem Alltag eingeschränkt fühle.
Wer dieses Schreiben gerne sehen möchte, der darf mir gern Bescheid geben.

Ansonsten gibt es hier ein paar Auszüge:

Der Therapieaufwand für mein Diabetesmanagement nimmt täglich viel Zeit ein.
Bei drei Mahlzeiten und zwei Snacks zwischendurch muss das Essen vorbereitet, gewogen und zusätzlich ausgerechnet werden, wie viele Kohlenhydrate die Mahlzeit bzw. der Snack enthält.
Dies muss in Verhältnis zu dem benötigten Insulin gesetzt werden, wobei bei der Insulinpumpe der Bolusrechner verwendet werden kann.
Dann muss gegebenenfalls ein Spritz-Ess-Abstand eingehalten werden, um Blutzuckerspitzen zu vermeiden, diesen halte ich beim Frühstück ein, der Spritz-Ess-Abstand beträgt dort eine Viertelstunde. 


Bei besonders fettigen oder eiweißhaltigen Lebensmitteln wie zum Beispiel Pizza oder Müsli sollte mit der Insulinpumpe verzögert Insulin abgegeben werden. 

Bei Pizza beispielsweise spritze ich 50% meiner Insulindosis sofort und 50% über 2 Stunden verteilt.


Dies ist allerdings für jede Diabetestherapie individuell anzupassen und kann nicht vom Diabetologen bestimmt oder aus einem Handbuch entnommen werden.
Daher muss bei jeder Mahlzeit Insulindosis, Spritz-Ess-Abstand und Verzögerung der Insulinmenge von Neuen bedacht werden.

Zum Glück überwiegt das Negative in diesem Text meistens nicht ;)

Denn gerade weil mein Körper dabei sehr sensibel reagiert, wird mir schon bei Blutzuckerwerten um die 70mg/dL schwindelig und häufig fühle ich mich sehr zittrig und benommen.

Schon einige Mal ist es mir passiert, dass ich außerdem leicht krampfe und darauf angewiesen bin, von näherstehenden Personen zuckerhaltige Getränke oder Traubenzucker zu bekommen und nicht mehr selbst in die Küche/Vorratskammer gelangen kann.
Für die Nacht habe ich einen Vorrat an Traubenzucker und Cola am Bett stehen, auch hier ist es wichtig, dass diese Vorräte immer aufgefüllt sind. 


Auf der anderen Seite müssen auch die Korrekturen von „hohen“ Blutzuckerwerten über 160mg/dL gut durchdacht werden, reagiere ich doch tagsüber unterschiedlich auf die Korrekturen.
Bei Unterzuckerungen und auch bei Überzuckerungen hängt deshalb auch viel vom Gefühl ab, welches man erst nach einiger Zeit mit Diabetes entwickelt.

Denn es lässt sich manchmal nicht vermeiden: ein Teufelskreis aus Unter- und Überzuckerungen.

Hinzu kommt meine Vorbereitung auf Aktivitäten.


Vor dem Sport muss ich einen Blutzucker von mindestens 200mg/dl haben, um nicht während der Ausübung zu unterzuckern. 

Dazu spritze ich entweder weniger für die vorherige Mahlzeit oder esse eine Kohlenhydrateinheit extra, wie beispielsweise eine Banane.
Das Problem bei einer Mahlzeit davor ist, dass das aktive Insulin dennoch einige Zeit wirkt und den Blutzuckerwert während des Sports zusätzlich beeinflusst.

Das heißt also auch, dass ich mich nicht einfach spontan dazu entschließen kann, Sport zu treiben.

Wenn ich also mit Freunden am Strand bin und wir beschließen, Volleyball spielen zu wollen, müssen meine Freunde erstmal einige Zeit auf mich warten, bis ich so weit bin.
Auch wenn ich einfach nur eine längere Zeit unterwegs sein möchte, ist eine Extra-KE angebracht, denn auch bei Spaziergängen oder Fahrradtouren sinkt mein Blutzucker ungewöhnlich schnell ab.

Diese Situationen belasten mich psychisch und führen dazu, dass ich mich häufig ausgegrenzt und unwohl fühle.
Es ist sehr anstrengend, jeden Tag aufs Neue erklären zu müssen, dass ich ohne Insulin sterben würde und daher natürlich darauf angewiesen bin. 

Ich kann diese chronische Erkrankung nicht einmal für eine Stunde aus meinen Gedanken verbannen, ohne dass es auf mich selbst zurückfällt.
Die Aussicht, auf diese Krankheit für den Rest des Lebens Rücksicht nehmen zu müssen, deprimiert mich häufig.
Auch eine Angst vor Folgeerkrankungen, selbst bei guter Einstellung, bleibt immer im Hinterkopf bestehen. 



Das Diabetesmanagement ist also auszuhalten, beschränkt mich aber ganz eindeutig in meiner Lebensqualität, auf physischer und psychischer Ebene.

Dazu bleibt zu sagen, dass in einer solchen Auflistung nur auf die negativen Gedanken eingegangen wird und ich mich nicht grundsätzlich so fühle.
Dennoch finde ich es wichtig, dass auch diese Gefühle berücksichtigt werden, schließlich gehört dies zum Leben mit Diabetes dazu.

Oft werde ich gefragt, warum ich einen Schwerbehindertenausweis haben wollte und ob es auch Dinge gibt, die gegen eine Beantragung sprechen.
Dazu kann ich sagen, dass ich gern alle Vorteile in Anspruch nehme, die mir zustehen.




- Steuervergünstigungen
- Bevorzugte Einstellung
- Kündigungsschutz
- eine Arbeitswoche Zusatzurlaub
- Ermäßigungen bei einigen Fluggesellschaften, Fernbussen usw.



Der größte Nachteil ist wohl der negativ behaftete Begriff "Schwerbehinderung".
Gerade Arbeitgeber schreckt dies oft ab, obwohl größere Firmen in der Regel eine bestimmte Anzahl von Menschen mit Behinderung einstellen müssen.

Ich denke, bei einem Vorstellungsgespräch sollte man den Diabetes ohnehin in ein positives Licht rücken.
Man könnte erwähnen, dass man durch das tägliche Management diszipliniert und verantwortungsbewusst ist.
Dadurch, dass man sehr offen mit der Erkrankung umgeht, merkt der Arbeitgeber auch gleich, dass der Diabetes kein großes Problem darstellen wird.

Am Schluss bleibt es natürlich die Entscheidung des Einzelnen, einen solchen Nachteilsausgleich zu beantragen.

Wie steht ihr zum Thema Schwerbehindertenausweis?
Habt ihr noch Fragen zur Beantragung oder könnt Hilfe gebrauchen?
Schreibt mir einfach eine Nachricht.